Die größte Schwäche des Menschen, ist die Eitelkeit. Keine andere Sünde bringt mehr Probleme. Sie ist eigentlich auch der Grund für alle anderen.
Menschen versuchen geliebt zu werden. Oder zumindest gehasst. Hauptsache Aufmerksamkeit. Und wenn das nicht klappt, dann wenigstens Macht, um ihre Eitelkeit beziehungsweise Aufmerksamkeit zu befriedigen. Liebe, Hass und Macht - die Kinder der Eitelkeit.
Und da Menschen dann leider auch noch Idioten sind, machen wir aus dieser Tragödie eine Komödie ohne Moral in der Geschichte und keinerlei Besserung in Aussicht.
Das nennen wir dann am Ende unser Leben.
Zum Überleben ausgesetzt...
Das sind zwei Zeilen aus einem Lied von ClickClickDecker, welches ganz gut skizziert wie ich das Leben sehe.
Schwermütigen Gedanken nachhängend, werde ich diese nun vielleicht mal von Zeit zu Zeit hier aufschreiben...
... oder auch nicht.
Auf jeden Fall wird sich hier Raum bieten für all die Hirnfürze und Erlebnisse meines Alltags die ich für erwähnenswert halte.
Wir werden sehen.
Oder nicht.
Dienstag, 26. Juli 2011
Dienstag, 22. März 2011
Vom Egoismus, geliebt zu werden...
Zwei Wochen ist es jetzt her. Seit dem fühl ich mich vollkommen allein. Niemand kann mir helfen. Dieses Gefühl nur auf Besuch zu sein, stellt sich wieder massiv bei mir ein. Und das ist grauenhaft. Ich hab tolle Feunde, ja. Aber auch die können mir nicht helfen. Denn jeder von denen ist mit sich selbst beschäftigt. Ich sitze derweil in meinem selbstgewählten Exil, am Studienort und grübel darüber was das alles noch für einen Sinn hat. Dieser Mensch, der diesen Blog eigentlich erst ins Leben gerufen hat (ohne das er es weiß), von dem hab ich jetzt seit mehr als 14 Tagen nichts mehr gehört. Weil ich das so will. Weil es mich nach und nach kaputt machen würde, würde ich ihm noch mehr meiner Zeit opfern. Oder Platz in meinen Gedanken einräumen.
Aber ich werde ihn dennoch nicht los. Er ist allgegenwärtig. Er ist das erste an das ich denke, wenn ich aufwache, meist das letzte, an das ich denke, bevor ich einschlafe und oft genug besucht er mich in meinen Träumen.
Als ich diesen Menschen vor knapp 2 Jahren kennen gelernt habe, da war ich dem Gedanken nahe, endlich das Ende meiner einsamen Odyssee angekommen zu sein. Endlich hatte ich jemanden, der mich mal ernst nimmt. Für den ich vielleicht mehr bin, als nur ein Clown, inmitten der Manege. Selbst meine Freunde, nehmen mich oft genug nicht ernst. Nicht weil sie es böse meinen, sondern weil es ein Ausdruck ihrer Hilflosigkeit ist, wie mir scheint. Ich bin unheimlich schwierig, das weiß ich selbst. Ich bin auf eine Art und Weise anders, mit der man nur schwer umgehen kann.
Als ich am Wochenende daheim war, dort wo ich herkomme, hab ich mich mit meinem besten Freund getroffen. Nur kurz. Aber wir haben uns seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesehen. Und da hab ich gemerkt, dass ich alt geworden bin. Sehr alt. Ich sehne mir die Tage herbei, als wir noch 16 waren und unsere Heimatstadt unsicher gemacht haben. Wir trafen uns auf ein Bier, seine Freundin war auch dabei.
Seine Freundin. Ein furchtbar nettes Mädchen. Ich kenne sie kaum. Aber ich muss Menschen auch nicht lange kennen, um zu wissen, was ich von ihnen zu halten habe (und was vielen Menschen Angst macht, wenn sie erkennen, dass ich sie erkenne). Und ich erkenne, dass diese Frau mit das Beste ist, was ihm passieren konnte. Ich muss nicht mehr auf ihn aufpassen. Nicht mehr für ihn da sein. Er hat jetzt jemanden der sich um ihn kümmert. Und er hat jemanden, um den er sich kümmern kann. Was er gern macht. Mit Liebe. Mit Hingabe. Etwas, das mir wohl auf diese Art vorenthalten bleibt.
Und dann ist da noch meine beste Freundin. Sie wird dieses Jahr noch heiraten. Ihren Freund, den ich für einen klasse Kerl halte. Jedes Mal, wenn ich die beiden zusammen erlebe, weiß ich, dass es richtig ist, dass die beiden zusammen sind. Dass ich mir nichts weiter für sie wünsche als dass sie mit ihm zusammen alt wird.
Diese beiden Menschen, mein bester Freund und meine beste Freundin, das waren lange Zeit, die einzigen Menschen in meinem Leben, denen ich eine Bedeutung beigemessen habe. Trotzdem: sie konnten mich nie von dem Gefühl befreien, nur auf Besuch zu sein. Ich kann mit ihnen eigentlich über alles reden und ich weiß, dass ich mich zu hundert Prozent auf sie verlassen kann. Ohne zu zögern würde ich mein dummes kleines Leben für sie hergeben. Ich mach nicht viel richtig in meinem Leben. Außer ein guter Freund zu sein. Darin bin ich vermutlich richtig gut.
Aber die beiden brauchen mich schon lange nicht mehr. Sie lassen mich an ihrem Leben teilhaben. Binden mich ein und sind für mich da, wenn ich sie brauche. Ohne zu zögern oder nach Ausreden zu suchen, warum sie jetzt nicht können. Sie können immer. Sie wollen immer. Aber das hilft mir nicht. Kein bisschen.
Der jüngste Freund den ich habe, den kenn ich jetzt seit rund 1,5 Jahren. Auch hier fast das gleiche. Dieser Mensch ist mit seinem Leben beschäftigt und versucht trotzdem für mich da zu sein. Aber da ist so viel Stress in seinem Leben, der mir ein schlechtes Gewissen machen würde, wenn ich ihn von Dingen abhalte, bei denen er mir eh nicht helfen kann. Ich will auch nicht den Eindruck hinterlassen, mich nur im Selbstmitleid zu baden um den Bauch gepinselt zu bekommen. Denn Mitleid ist das letzte was ich will.
Außerdem hab ich auf die meisten meiner Fragen oder Gedanken ohnehin schon ernüchternde Antworten.
Alle drei eint, dass ich für sie nicht der Mittelpunkt dessen bin, was ihr Leben ausmacht. Was okay ist. So ist das eben mit Freunden. Meist agieren sie nur am Rand, aber sie sind da und lassen sich bereitwillig in alles mit reinziehen, wenn man sie braucht. Dennoch fühl ich mich auch von ihnen nicht ernst genommen. Genau wie vom Rest der Welt.
Da war dieser Mensch, den ich vor 2 Jahren kennen gelernt habe, der wie die Antwort wirkte. Als ich ihm das erste Mal tief in die Augen geschaut habe, da erkannte ich mich darin. Der gleiche tiefe Schmerz. Bei hm war das anders. Von ihm hab ich mich stellenweise ernst genommen gefühlt.
Ich wache am Morgen mit Schmerzen auf und gehe am Abend damit ins Bett. Nicht nur seelischer Natur. Auch körperlich. Mein Körper fühlt sich schwer und verbraucht an. Ich schleppe mich jeden Tag durchs Leben und frag mich immer: „Wozu?“ Und finde keine Antwort. Weil es keine gibt. So ist das Leben wohl. Eine einzige Frage, nach dem Sinn. Ohne Antwort.
Wenn ich dann für andere da sein kann, dann weiß ich jedoch wieder, warum ich hier bin. Um das zu machen, was ich am besten kann. Ein guter Freund sein. Doch nach und nach, entwachsen dir deine Freunde und sind immer seltener auf deine Hilfe angewiesen. Du bleibst dann zurück und stellst fest, dass mit jedem mal, als du Hilfe geleistet hast, sie ein Stück mehr von dir gelöst hast, um ihnen dann am Ende dabei zuzusehen, wie sie ihr Leben jetzt ohne dich regeln. Was gut ist! Für sie. Für mich bleibt dann nur die Rolle des stillen Beobachters, um im Bedarfsfall wieder eingreifen zu können. Doch das ist eben immer seltener der Fall.
Allein war ich im Grunde schon immer. In meiner Familie war ich immer der Sonderling. Wenn auch ein geliebter Sonderling. Das weiß ich. Meine Freunde bezeichnen mich als Spinner oder Freak. Und lieben mich trotzdem. Auch das weiß ich.
Aber wirklich verstanden werde ich von keinem. Hab ich den Eindruck. Ich bin ihnen trotzdem dankbar. Für alles.
Aber es verwundert auch kaum, dass sie mich nicht vollends ernst nehmen. Der Rest der Welt ist einfach zu normal. Daher erwartet man vermutlich nicht, dass jemand wirklich so ist, wie ich behaupte zu sein. Meine Eigenheiten, die zu Tage treten, werden wohl oft als eine Art von Attitüde verstanden, die dazu dient, bei den Leuten besser anzukommen (dabei ist das das Letzte was ich will - mich bei anderen gut stellen). Aber wenn ich dann sage, dass ich den und das nicht mag, diesen Menschen für einen Idioten halte und diesen Menschen für einen schlechten Menschen (obwohl alle anderen ihn so toll finden), dann meine ich das auch so. Doch viele Menschen, sagen das gleiche wie ich. Aber sie meinen es dann nicht so. Das macht es mir nur noch schwerer, mich verstanden zu fühlen. Für die meisten erweckt es oft den Eindruck, ich bin einfach dagegen, weil alle anderen dafür sind. Ich muss immer dagegen sein. Weil das so im Trend liegt. Dabei bin ich einfach aus tiefster Seele dagegen bzw. von meiner Ansicht überzeugt. Weil ich es eben besser weißt. Ich hab zwar selten einen großen Plan im Hinterkopf, aber immer eine tieferen Sinn hinter meiner Einstellung oder meinem Gebaren.
Was ich mache oder sage, ist durchdacht. Auch wenn es mal eine Handlung im Affekt zu sein scheint. Ich handele nicht unüberlegt oder sage etwas, dass ich nicht zu 100% so meine. Und da ist oft eine Weltanschauung dabei, mit der niemand etwas anfangen kann.
Und daher mein Gefühl nur auf Besuch zu sein.
Ich kann mit dieser Welt nichts anfangen. Nicht im Geringsten. Sie überrascht mich nicht, hält keine Wunder für mich bereit und ist alles in allem ziemlich unterwältigend. Wozu dann also noch einen Fuß vor den anderen setzen?
Eben. Weil alles andere ja auch keine Lösung ist. Jedenfalls keine die zufrieden stellt. Leben heißt Leiden.
Dieser Mensch, den ich vor 2 Jahren aber kennen gelernt habe, der hat mir dieses Leiden erträglicher gemacht. Der war dabei mich zu retten. Vor mir selbst. Vor meinem heimlichen Begleiter. Dieser heimliche Begleiter ist es nämlich, der mir jeden Tag so anstrengend macht. Er ist der einzige, der mich so nimmt, wie ich bin. Komplett. Vielleicht der einzige, der mich wirklich liebt für alles was ich denke, für alles was ich tue. Aber dieser Begleiter, der würde mich, würde ich ihn zulassen, davon abhalten, für meine Freunde, ein guter Freund zu sein. Dieser Begleiter verlangt im Grunde jeden Tag aufs Neue von mir, dass ich rebelliere. Gegen alles und jeden. Zwar mit Sinn und Verstand, doch vollkommen destruktiv.
Er kann mit dieser Welt genauso wenig anfangen, wie ich. Und deshalb will er sie in Brand setzen und zerschlagen. In der Hoffnung, dass aus diesen Trümmern dann irgendwas besseres entsteht. Etwas kaputt machen, damit es größer wird.
Doch das will ich eigentlich nicht. Ich will einfach nur meinen Frieden machen können mit dieser Welt. Diesen Schmerz hinter mir lassen, nach vorne blicken und sich nicht mit Fragen beschäftigen müssen, auf die es keine Antwort gibt. Jedenfalls keine Antworten, die nicht zu neuen Fragen führen…
Ohne meine Freunde, hätte ich schon längst auf diesen Begleiter gehört. Aber meine Freunde können nicht immer für mich da sein und mich auch nicht retten.
Ich will nur gerettet werden. Vor ihm, meinem Begleiter. Der allgegenwärtig ist und den zu ignorieren, sehr viel Kraft kostet. Ich will wieder diese Antwort vor mir haben, wie vor zwei Jahren. Es diesmal besser machen. Ich will ernst genommen werden.
Ich will einfach nur glücklich sein, mit dem Wissen, dass ich für jemanden der wichtigste Mensch auf Erden bin.
Klingt furchtbar egoistisch, nicht wahr?
Aber 25 Jahre des Alleinseins (mit ein paar Unterbrechungen aufgrund von ihr) sind doch wohl ein guter Grund, mal ein bisschen Egoismus an den Tag zu legen, oder?
Aber ich werde ihn dennoch nicht los. Er ist allgegenwärtig. Er ist das erste an das ich denke, wenn ich aufwache, meist das letzte, an das ich denke, bevor ich einschlafe und oft genug besucht er mich in meinen Träumen.
Als ich diesen Menschen vor knapp 2 Jahren kennen gelernt habe, da war ich dem Gedanken nahe, endlich das Ende meiner einsamen Odyssee angekommen zu sein. Endlich hatte ich jemanden, der mich mal ernst nimmt. Für den ich vielleicht mehr bin, als nur ein Clown, inmitten der Manege. Selbst meine Freunde, nehmen mich oft genug nicht ernst. Nicht weil sie es böse meinen, sondern weil es ein Ausdruck ihrer Hilflosigkeit ist, wie mir scheint. Ich bin unheimlich schwierig, das weiß ich selbst. Ich bin auf eine Art und Weise anders, mit der man nur schwer umgehen kann.
Als ich am Wochenende daheim war, dort wo ich herkomme, hab ich mich mit meinem besten Freund getroffen. Nur kurz. Aber wir haben uns seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesehen. Und da hab ich gemerkt, dass ich alt geworden bin. Sehr alt. Ich sehne mir die Tage herbei, als wir noch 16 waren und unsere Heimatstadt unsicher gemacht haben. Wir trafen uns auf ein Bier, seine Freundin war auch dabei.
Seine Freundin. Ein furchtbar nettes Mädchen. Ich kenne sie kaum. Aber ich muss Menschen auch nicht lange kennen, um zu wissen, was ich von ihnen zu halten habe (und was vielen Menschen Angst macht, wenn sie erkennen, dass ich sie erkenne). Und ich erkenne, dass diese Frau mit das Beste ist, was ihm passieren konnte. Ich muss nicht mehr auf ihn aufpassen. Nicht mehr für ihn da sein. Er hat jetzt jemanden der sich um ihn kümmert. Und er hat jemanden, um den er sich kümmern kann. Was er gern macht. Mit Liebe. Mit Hingabe. Etwas, das mir wohl auf diese Art vorenthalten bleibt.
Und dann ist da noch meine beste Freundin. Sie wird dieses Jahr noch heiraten. Ihren Freund, den ich für einen klasse Kerl halte. Jedes Mal, wenn ich die beiden zusammen erlebe, weiß ich, dass es richtig ist, dass die beiden zusammen sind. Dass ich mir nichts weiter für sie wünsche als dass sie mit ihm zusammen alt wird.
Diese beiden Menschen, mein bester Freund und meine beste Freundin, das waren lange Zeit, die einzigen Menschen in meinem Leben, denen ich eine Bedeutung beigemessen habe. Trotzdem: sie konnten mich nie von dem Gefühl befreien, nur auf Besuch zu sein. Ich kann mit ihnen eigentlich über alles reden und ich weiß, dass ich mich zu hundert Prozent auf sie verlassen kann. Ohne zu zögern würde ich mein dummes kleines Leben für sie hergeben. Ich mach nicht viel richtig in meinem Leben. Außer ein guter Freund zu sein. Darin bin ich vermutlich richtig gut.
Aber die beiden brauchen mich schon lange nicht mehr. Sie lassen mich an ihrem Leben teilhaben. Binden mich ein und sind für mich da, wenn ich sie brauche. Ohne zu zögern oder nach Ausreden zu suchen, warum sie jetzt nicht können. Sie können immer. Sie wollen immer. Aber das hilft mir nicht. Kein bisschen.
Der jüngste Freund den ich habe, den kenn ich jetzt seit rund 1,5 Jahren. Auch hier fast das gleiche. Dieser Mensch ist mit seinem Leben beschäftigt und versucht trotzdem für mich da zu sein. Aber da ist so viel Stress in seinem Leben, der mir ein schlechtes Gewissen machen würde, wenn ich ihn von Dingen abhalte, bei denen er mir eh nicht helfen kann. Ich will auch nicht den Eindruck hinterlassen, mich nur im Selbstmitleid zu baden um den Bauch gepinselt zu bekommen. Denn Mitleid ist das letzte was ich will.
Außerdem hab ich auf die meisten meiner Fragen oder Gedanken ohnehin schon ernüchternde Antworten.
Alle drei eint, dass ich für sie nicht der Mittelpunkt dessen bin, was ihr Leben ausmacht. Was okay ist. So ist das eben mit Freunden. Meist agieren sie nur am Rand, aber sie sind da und lassen sich bereitwillig in alles mit reinziehen, wenn man sie braucht. Dennoch fühl ich mich auch von ihnen nicht ernst genommen. Genau wie vom Rest der Welt.
Da war dieser Mensch, den ich vor 2 Jahren kennen gelernt habe, der wie die Antwort wirkte. Als ich ihm das erste Mal tief in die Augen geschaut habe, da erkannte ich mich darin. Der gleiche tiefe Schmerz. Bei hm war das anders. Von ihm hab ich mich stellenweise ernst genommen gefühlt.
Ich wache am Morgen mit Schmerzen auf und gehe am Abend damit ins Bett. Nicht nur seelischer Natur. Auch körperlich. Mein Körper fühlt sich schwer und verbraucht an. Ich schleppe mich jeden Tag durchs Leben und frag mich immer: „Wozu?“ Und finde keine Antwort. Weil es keine gibt. So ist das Leben wohl. Eine einzige Frage, nach dem Sinn. Ohne Antwort.
Wenn ich dann für andere da sein kann, dann weiß ich jedoch wieder, warum ich hier bin. Um das zu machen, was ich am besten kann. Ein guter Freund sein. Doch nach und nach, entwachsen dir deine Freunde und sind immer seltener auf deine Hilfe angewiesen. Du bleibst dann zurück und stellst fest, dass mit jedem mal, als du Hilfe geleistet hast, sie ein Stück mehr von dir gelöst hast, um ihnen dann am Ende dabei zuzusehen, wie sie ihr Leben jetzt ohne dich regeln. Was gut ist! Für sie. Für mich bleibt dann nur die Rolle des stillen Beobachters, um im Bedarfsfall wieder eingreifen zu können. Doch das ist eben immer seltener der Fall.
Allein war ich im Grunde schon immer. In meiner Familie war ich immer der Sonderling. Wenn auch ein geliebter Sonderling. Das weiß ich. Meine Freunde bezeichnen mich als Spinner oder Freak. Und lieben mich trotzdem. Auch das weiß ich.
Aber wirklich verstanden werde ich von keinem. Hab ich den Eindruck. Ich bin ihnen trotzdem dankbar. Für alles.
Aber es verwundert auch kaum, dass sie mich nicht vollends ernst nehmen. Der Rest der Welt ist einfach zu normal. Daher erwartet man vermutlich nicht, dass jemand wirklich so ist, wie ich behaupte zu sein. Meine Eigenheiten, die zu Tage treten, werden wohl oft als eine Art von Attitüde verstanden, die dazu dient, bei den Leuten besser anzukommen (dabei ist das das Letzte was ich will - mich bei anderen gut stellen). Aber wenn ich dann sage, dass ich den und das nicht mag, diesen Menschen für einen Idioten halte und diesen Menschen für einen schlechten Menschen (obwohl alle anderen ihn so toll finden), dann meine ich das auch so. Doch viele Menschen, sagen das gleiche wie ich. Aber sie meinen es dann nicht so. Das macht es mir nur noch schwerer, mich verstanden zu fühlen. Für die meisten erweckt es oft den Eindruck, ich bin einfach dagegen, weil alle anderen dafür sind. Ich muss immer dagegen sein. Weil das so im Trend liegt. Dabei bin ich einfach aus tiefster Seele dagegen bzw. von meiner Ansicht überzeugt. Weil ich es eben besser weißt. Ich hab zwar selten einen großen Plan im Hinterkopf, aber immer eine tieferen Sinn hinter meiner Einstellung oder meinem Gebaren.
Was ich mache oder sage, ist durchdacht. Auch wenn es mal eine Handlung im Affekt zu sein scheint. Ich handele nicht unüberlegt oder sage etwas, dass ich nicht zu 100% so meine. Und da ist oft eine Weltanschauung dabei, mit der niemand etwas anfangen kann.
Und daher mein Gefühl nur auf Besuch zu sein.
Ich kann mit dieser Welt nichts anfangen. Nicht im Geringsten. Sie überrascht mich nicht, hält keine Wunder für mich bereit und ist alles in allem ziemlich unterwältigend. Wozu dann also noch einen Fuß vor den anderen setzen?
Eben. Weil alles andere ja auch keine Lösung ist. Jedenfalls keine die zufrieden stellt. Leben heißt Leiden.
Dieser Mensch, den ich vor 2 Jahren aber kennen gelernt habe, der hat mir dieses Leiden erträglicher gemacht. Der war dabei mich zu retten. Vor mir selbst. Vor meinem heimlichen Begleiter. Dieser heimliche Begleiter ist es nämlich, der mir jeden Tag so anstrengend macht. Er ist der einzige, der mich so nimmt, wie ich bin. Komplett. Vielleicht der einzige, der mich wirklich liebt für alles was ich denke, für alles was ich tue. Aber dieser Begleiter, der würde mich, würde ich ihn zulassen, davon abhalten, für meine Freunde, ein guter Freund zu sein. Dieser Begleiter verlangt im Grunde jeden Tag aufs Neue von mir, dass ich rebelliere. Gegen alles und jeden. Zwar mit Sinn und Verstand, doch vollkommen destruktiv.
Er kann mit dieser Welt genauso wenig anfangen, wie ich. Und deshalb will er sie in Brand setzen und zerschlagen. In der Hoffnung, dass aus diesen Trümmern dann irgendwas besseres entsteht. Etwas kaputt machen, damit es größer wird.
Doch das will ich eigentlich nicht. Ich will einfach nur meinen Frieden machen können mit dieser Welt. Diesen Schmerz hinter mir lassen, nach vorne blicken und sich nicht mit Fragen beschäftigen müssen, auf die es keine Antwort gibt. Jedenfalls keine Antworten, die nicht zu neuen Fragen führen…
Ohne meine Freunde, hätte ich schon längst auf diesen Begleiter gehört. Aber meine Freunde können nicht immer für mich da sein und mich auch nicht retten.
Ich will nur gerettet werden. Vor ihm, meinem Begleiter. Der allgegenwärtig ist und den zu ignorieren, sehr viel Kraft kostet. Ich will wieder diese Antwort vor mir haben, wie vor zwei Jahren. Es diesmal besser machen. Ich will ernst genommen werden.
Ich will einfach nur glücklich sein, mit dem Wissen, dass ich für jemanden der wichtigste Mensch auf Erden bin.
Klingt furchtbar egoistisch, nicht wahr?
Aber 25 Jahre des Alleinseins (mit ein paar Unterbrechungen aufgrund von ihr) sind doch wohl ein guter Grund, mal ein bisschen Egoismus an den Tag zu legen, oder?
Montag, 13. Dezember 2010
Vom pefekten Wochenende...
Wenn man schläft, wer sagt einem dann eigentlich, dass man alles, was sich bis dahin im Kopf angesammelt hat, auch wirklich erlebt hat? Wie unterscheidet man noch zwischen Traum und Wirklichkeit, wenn alles was einem bleibt die Erinnerung ist, die nach und nach verblasst.
So wie es Träume eben auch tun?
Das perfekte Wochenende beginnt nicht an einem Samstag. Auch nicht an einem Freitag. Es beginnt bereits an einem Donnerstag.
Du kommst von der Universität nach Hause. Es ist schon dunkel draußen. Der Schnee liegt dick und frostig zu deinen Füssen und verheißt die Ankunft des Winters. Als du den Schlüssel im Schloss rumdrehst, hörst du Stimmen die von einem Lachen unterlegt sind.
Der Mitbewohner hat seine Freundin zu Besuch und der Nachbar von unten drunter hat Wein mitgebracht, um es sich auf eurer Couch gemütlich zu machen. Du gibst ein "Hey" in die Runde und bekommst, noch ehe du dich deiner Jacke entledigt hast, ein Glas Rotwein in die Hand gedrückt. Du hast aber nicht viel Zeit. Heute Abend ist noch ein Termin auf den du nicht so wirklich Lust hast. Aber auch nur, weil du gleich wieder raus in die Kälte musst. Lieber würdest du hier sitzen bleiben und Wein trinken.
Du haust dich nochmal für eine Stunde aufs Ohr, sagst du den anderen. Weil du todmüde bist und nicht vollkommen verschlafen beim Tanzkurs, dem anstehenden Termin, auftauchen willst.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Tanzkurs. Auf geht’s. Den Tanzkurs besuchst du ohnehin nur aus einem speziellen Grund, den du deiner Tanzpartnerin aber vorenthältst. Du überbrückst die Zeit beim Tanzen mit ein bisschen blödsinnigem Gerede und ehe du dich versiehst stehst du mit Bekannten in der Kneipe am Campus, weil es nach dem Tanzkurs noch zur alldonnerstäglichen Studentenfeier in der Campuskneipe geht.
Du führst an diesem Abend manch sinnloses Gespräch mit manch noch sinnloserem Menschen. Du feuerst deine üblichen Rauchbomben ab, um für Verwirrung zu sorgen, was deine Person betrifft.
Hier am Studienort, da kennt dich niemand wirklich und jeder denkt sich etwas anderes. Meist das, was du sie in dem Moment wissen lassen willst, damit das passiert, was dir gerade weiterhilft. So ist es auch wieder an diesem Abend. Du erfährst mal wieder mehr über andere als diesen wohl Recht sein kann. Vor allem werden sie es vermutlich am nächsten Morgen schon wieder vergessen haben, dass sie dir Rede und Antwort standen. Du hingegen nicht. Bei dir findet das alles wohlsortiert seinen Platz in deinem Hinterstübchen. Diese Schwäche des Menschen, dass er immer und überall jemand sucht, den er an seinem Leben teilhaben lassen kann, die nutzt du nur Zugern aus. Ohne dabei aber als Freund aufzutreten. Die Leute erzählen dir sogar dann noch alles, wenn du fünf Minuten vorher noch garstig zu ihnen warst. Die wollen einfach reden. Immerzu reden. Am liebsten über sich selbst. Denn jeder ist sich selbst der Nächste.
Als du schließlich an diesem Donnerstag betrunken einschläfst ist das Letzte an das du dich erinnerst, die Frau im Bett, die dich zutextet.
Sie wollen einfach immer reden. Über alles. Und jeden. Meist über sich selbst. Du hörst meistens zu und hältst ihnen dann ihre Fehler vor, in der Hoffnung, dass sie irgendwann weniger reden. Doch das tun sie nicht. Menschen sind eben unverbesserlich.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Niemand ist bei dir. Worüber du nicht böse bist. Du hast lange geschlafen an diesem Freitag und von Dingen geträumt die dir viel zu weit weg erscheinen, als dass du ihnen bei klarem Verstand Platz bieten würdest. So ist das erste was dein gemartertes Hirn von sich gibt eine Schnapsidee, die du bis zur nächsten Begegnung mit der Person, die die Idee betrifft, nicht mehr los wirst.
Du checkst im Laufe des Tages den Plan für deine Schnapsidee und deine Mails. Deine Tanzpartnerin hat dir geschrieben. Sie ist vergeblich auf der Suche nach Freundschaft und fragt sogar, ob du nicht Lust hättest sie auf den Weihnachtsball an eurer Hochschule zu begleiten. Immerhin besucht ihr ja auch zusammen denselben Tanzkurs, den man extra dafür veranstaltet.
Doch du bleibst hart. Hast nicht das geringste Interesse an einer Freundschaft mit dieser Person. Du gibst ihr zu verstehen, dass du keinerlei Verpflichtungen eingehen möchtest und es für dich auch nur um das gemeinsame Tanzen im Kurs geht. Es geht dabei noch nicht mal um das Tanzen mit ihr. Du würdest auch mit jeder anderen tanzen um deine Kenntnisse nochmal aufzufrischen. Das hattest du ihr schon einmal gesagt. Wie egal sie dir ist. Aber es ist wohl nichts davon hängen geblieben. Für den Ball hast du vor jemand anderen zu fragen, sagst du ihr.
Entweder mit diesem Menschen oder gar keinem.
Denn du kannst dankend darauf verzichten allen anderen dabei zuzusehen, wie sie ihre Geschlechtsteile übers Tanzparkett jagen, wenn dir niemand zur Seite steht, mit dem du dich darüber lustig machen kannst. Einen ganzen Abend Heuchelei zu ertragen, bei dem jeder so tut, als sei er wegen der Veranstaltung selbst da, aber stattdessen nur darauf aus sein wird, nicht allein nach Hause zu müssen, das braucht einen starken Verbündeten an deiner Seite, davon bist du überzeugt. Denn du willst an diesem Abend nicht mit den Leuten reden müssen, um dir ihre Geschichten anzuhören, wenn jeder nett und freundlich zueinander ist und alle nur „hihi“ und „Ach, siehst du aber toll aus“, machen. Außerdem muss man sich die ganzen Pärchen nicht geben. Die sind zwar in den meisten Fällen nur Tanzpaare, aber das macht die Sache nicht besser. Eigentlich nur noch schlimmer.
Dann fragst du lieber diesen einen Menschen, deinen Favoriten, ob er mit dir hingeht. Ihr würdet euch den ganzen Abend entweder vergnügt in eine Ecke setzen und über den Rest der Welt lachen oder eben hier und da das Tanzbein schwingen um das Ganze mit ein bisschen Alkohol abzurunden. Davon bist du überzeugt.
Und das sie, deine Tanzpartnerin, ganz bestimmt nicht dieser Mensch ist, davon bist du noch viel überzeugter. Eher noch im Gegenteil. Mit ihr an deiner Seite, wärst du zu einem Abend stundenlanger Heuchelei gezwungen. Müsstest dir Dinge anhören die dich nicht interessieren und die dir nicht weiterhelfen. Nachdem du ihr das alles aufgeschrieben hast, geht’s dir besser.
Jetzt da es ihr schlecht geht, weil du wie in einem Amoklauf mit der Wahrheit um dich geschossen hast, fühlst du dich gut.
Das Leid anderer gereicht uns immer irgendwie zum Vorteil. Auch wenn wir uns das nicht eingestehen wollen.
Du setzt Wahrheit und Lüge unterschiedlich ein. Die Wahrheit schwingst du meist wie einen schweren Hammer, der immer dann niederfährt, wenn dir gerade danach ist, jemanden in deiner Gegenwart auf Distanz zu halten. Die Lüge hingegen ist das schmeichlerische Gegenteil. Sie ist weniger hässlich und bringt die Menschen einander näher. Lügen sind meist die Zukunft einer jeden unaufrichtigen Beziehung zwischen zwei Menschen, in der jeder nur seinen Vorteil sucht. So wie sie jeden Tag zu Millionen geknüpft werden.
Aber wenn man die Wahrheit einsetzt um sich einem anderen Menschen näher zu bringen, dann hält das besser als jede Lüge der Welt.
Mit einer guten Lüge kann man zwar alles erreichen aber nichts was einen glücklich macht. Will man wirklich glücklich mit anderen Menschen werden, dann bleibt einem nur die Ehrlichkeit. Aber insofern man seinen Gegenüber nicht gerade irgendwie liebt, dient die Wahrheit dann meist nur dazu um zu verletzen. Und darin bist du sehr gut. Denn die meisten Menschen sind dir ohnehin egal.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Es ist Samstag. Samstag fährst du endlich heim. Mitbewohner und Freundin sind schon gestern nach Hause. Du bist ganz allein als du aufwachst. So wie du es meistens bist. Egal ob du gerade aufwachst, schlafen gehst oder sonst was machst. Allein bist du.
Du packst deine Sachen, stapfst durch den tauenden Schnee und freust dich einfach nur darauf, endlich wieder die Menschen zu treffen, die dir so unheimlich gut tun. Als du am Bahnhof auf den Zug wartest, pfeift der Wind dir um die Ohren, das in der Nachbarschaft befindliche Kraftwerk brummt monoton vor sich hin, die Autobahn in der Nähe rauscht unaufhörlich und alles ist nass und kalt und überhaupt einfach nur eklig. Hier sterben die Erwartungen massenweise. So fühlt es sich an, an diesem trostlosen Ort der Weltgeschichte, der so abseits liegt, dass du dich jedes Mal, wenn du wieder hierher zurück kehrst, dafür verfluchst, dass du ihn überhaupt aufgesucht hast. Eigentlich willst du hier noch nicht mal tot über dem Gartenzaun liegen. Aber bald ist es ja geschafft, dann kommst du hier dauerhaft weg und dann wird es nichts geben, was dich hierher zurück bringt. Gar nichts.
Wenn du später aus dem Zug aussteigst und diese leicht modrige Stadtluft, bestehend aus Autoabgasen, Müll und viel zu vielen Menschen, dir am Bahnhof deiner Heimatstadt entgegenschlägt, fühlst du dich mit einem Mal wohler als du es an deinem Studienort jemals sein könntest. Hier kann man es aushalten. Mehr als das: hier lebt man auf. Du zumindest.
Du stellst dein Gepäck im Elternhaus ab und wartest auf den Abend. Über die Fußballspiele im Nachmittagsprogramm schläfst du ein.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Viel passiert an diesem Wochenende nicht mehr. Denkst du.
Du triffst dich mit deiner kleinen Schwester, die dich zum Essen eingeladen hat. Sie wohnt schon lange nicht mehr daheim, genau wie du. Sie lebt seit Jahren mit ihrem Freund zusammen.
Du lebst einfach seit Jahren nicht mehr zuhause.
Du erzählst ihr alles, wofür du die letzten Wochen zu faul zum Schreiben warst. Und das ist viel. Nebenbei ist dein Handy ständig gefragt, weil du dir mit ihr, deiner Nummer 1, ein paar SMS hin und her schreibst. Sie arbeitet im Moment aber hat vielleicht später noch Zeit.
Du erzählst deiner kleinen Schwester auch von der Sache mit der Tanzpartnerin. Deine Schwester lacht nur, schüttelt den Kopf und meint, dass du vielleicht noch deutlicher werden musst, damit sie es endlich kapiert.
„Ja, vielleicht“, sagst du. Keine Anklage ihrerseits. Stattdessen wirst du auch noch bestärkt in deinem Verhalten. Also wirst du das vermutlich, mit der Rückendeckung, die du jetzt hast, auch beim nächsten Mal tun.
Als ihr euch voneinander verabschiedet ist es noch früh genug um auch noch deinen kleinen Bruder besuchen zu gehen. Ihr trinkt ein, zwei Bier, quatscht ein bisschen dummes Zeug. Mit seiner Freundin ist immer noch alles bestens. Er wohnt auch schon lange nicht mehr zuhause. Lebt sein eigenes Leben. Weitestgehend. Noch einer weniger, der deine Hilfe braucht. Im Grunde bist du vollkommen überflüssig. Die beiden leben ihr Leben zur Not auch ohne dich, wollen dich aber so gut es geht daran teilhaben lassen. Aber wenn du mal nicht mehr bist, dann drehen sich ihre Welten weiter, davon bist du überzeugt.
Du erzählst auch deinem kleinen Bruder alles Mögliche an Neuigkeiten. Ihr tauscht den aktuellsten Klatsch und Tratsch aus. Auch er bestärkt dich noch einmal darin, deiner Tanzpartnerin ruhig noch deutlicher zu sagen, dass du keinerlei Interesse an einer wie auch immer gearteten Beziehung hast, die über das Tanzen hinausgeht.
Und dich nennen sie das Arschloch, denkst du dir, während deine beiden besten Freunde, dein Bruder und deine Schwester, dir ein sanftmütiges Zeugnis ausstellen.
Dein Handy brummt wieder. Es ist Nummer 1. Sie schreibt, sie hat in einer halben Stunde Feierabend. Man könnte sich ja noch treffen.
Du sagst deinem kleinen Bruder, dass du dann jetzt los musst. Du würdest dich wieder melden, wenn du in der Stadt bist. Der Rest des Abschieds ist der Gleiche, wie der mit deiner Schwester.
Er soll auf sich aufpassen und wenn was ist, dann soll er sich melden.
Doch er wird sich nicht melden. Denn es wird nichts sein, wofür er deiner Hilfe Bedarf. Genauso wenig, wie sie sich melden wird. Beide leben halt ihr Leben. Du kommst darin zwar vor, doch du bist darin nicht so wichtig. Du machst ihnen das auch nicht zum Vorwurf, sondern unterstützt sie darin auch noch. Immerhin haben beide ihren Partner und davon abgesehen ist es ja auch nicht so als könntest du nicht mit allem was dich bedrückt zu ihnen gehen.
Wenn was ist, dann sind sie für dich da, das haben sie schon mehr als einmal bewiesen.
Du und Nummer 1, ihr habt euch für einen kleinen Spaziergang verabredet. Einfach ein bisschen spazieren gehen. Das könnt ihr zwei am besten. Es ist eigentlich scheißkalt und nass, aber das stört euch beide nicht. Ihr wandert einmal von ihrer Haustür zum McDonald’s und wieder zurück. An eurem Zwischenstopp gibt’s zwei Kakao und sie ist fast ununterbrochen am Reden.
Wie alle anderen Menschen auch, erzählt sie am liebsten über sich. Doch ihr hörst du gerne dabei zu. Du versuchst dir alles zu merken, machst Anmerkungen und erhebst Einwände. Du kannst dir aber unmöglich alles merken, was sie sagt. Dafür ist es einfach viel zu viel.
Ihr habt euch länger nicht mehr gesehen oder richtig gesprochen, deshalb ist auch noch genug Gesprächsstoff für den langen Rückweg übrig. Schließlich kommst du auch in Fahrt und erzählst ihr, was es neues gibt. So sehr wie gegenüber Bruder und Schwester gehst du nichts ins Detail. Alles muss sie nicht wissen, doch du bleibst so ehrlich wie möglich. Nur hin und wieder, da verschweigst du was.
Schließlich steht ihr bei ihr vor der Haustür. Es ist schon spät. Du wolltest schon seit zwei Stunden im Bett sein. Morgen musst du unheimlich früh zurück fahren, weil du mittags noch einen Termin am Studienort hast, bei dem sich andere auf dich verlassen.
Sie fragt, ob du noch mit rauf kommen willst, die Bilder von dem letzten Wochenendtrip gucken. Dein Herz sagt ja, dein Kopf sagt nein. Deine Zunge entscheidet sich für die Botschaft aus dem Herz. Schlafen kannst du auch noch, wenn du tot bist, denkst du dir.
Oben angekommen sagt sie, dass du in den Keller gehen sollst, Wein holen. Sie zieht sich in der Zeit etwas Bequemeres an. Als du wieder oben ankommst, steht sie in grauen Schlabberklamotten vor dir. Die pinken Streifen auf ihrer Jogginghose wirken auffällig, jedoch nicht so auffällig, wie ihre Zahnpastaflecken auf dem grauen Oberteil, das ihr über die eine Schulter hängt. Mit der Zahnbürste im Mund steht sie im Flur.
„Warum putzt du dir die Zähne?“, fragst du, auf die Weinflaschen in deiner Hand zeigend.
„Ich hab vergessen, dass du da bist“, sagt sie zahnpastaschäumend, „und dachte ich wollte mich bettfertig machen, nachdem ich schon mal meinen Schlafanzug anhabe.“
Du schüttelst grinsend den Kopf. Ein Mensch, der schusseliger ist als sie, den kennst du nicht.
„Geh schon mal in mein Zimmer, ich komm gleich.“
Gesagt, getan.
Ihr Kater schleicht um dich herum, während du ihr Bücherregal begutachtest und wahllos das ein oder andere Buch durchblätterst. Sie schiebt eine DVD in den Player und fängt schließlich an dir Bilder zu zeigen. Zu jedem Bild hat sie wieder eine kleine Geschichte parat, der du versuchst so gut es geht zu folgen. Du machst wieder Anmerkungen und erzählst ebenfalls Geschichten und irgendwann werden die Bilder immer nebensächlicher.
„Was machst du an Silvester“, fragst du sie. Deine Schnapsidee will endlich raus.
„Wahrscheinlich arbeiten, wie jedes Jahr. Warum?“
„Du kannst nicht irgendwie tauschen, oder so?“
„Ich glaube nicht, dass ich jemanden für Silvester finde. Warum denn?“
„Wir hätten nach Paris fahren können.“
Du erzählst ihr von deiner Idee. Hattest alles schon genau geplant und ausgearbeitet. Am Ende ist sie fast beleidigt, weil es nicht funktionieren wird und du ihr jetzt den Floh ins Ohr gesetzt hast. Für den Ball hat sie auch keine Zeit. Da muss sie auch arbeiten. Auch wenn sie sich das spaßig vorgestellt hätte. Mit Ballkleid, ein bisschen tanzen und viel trinken.
Sie drückt dir irgendwann die Fernbedienung in die Hand und sagt, du müsstest jetzt immer die Bilder weiterschalten, weil sie sich ja schon die ganze Zeit verausgabt, ständig die passende Geschichte dazu zu erzählen.
Sie lehnt sich zurück und während ihr versucht den Wein leer zu machen und immer betrunkener werdet, erzählt sie immer noch genug zu jedem Bild, so dass ihr beide nicht merkt, wie ihr irgendwann eingeschlafen seid.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Irgendwas bohrt sich gerade in deinen Bauch. Du guckst an dir runter. Es ist so hell draußen, dass es viel zu spät ist um heute noch pünktlich zu deinem Termin zu kommen.
Dein erster Gedanke ist: du bist nicht dort, wo du sein solltest.
Dein zweiter Gedanke ist: du bist genau da, wo du sein willst.
Scheiß auf den Rest der Welt. Der ist hier noch viel weniger von Bedeutung als er es schon im Normalfall ist. Du bist bei ihr. Das entspannt dich mehr als alles andere.
Dir steigt dieser angenehme Duft in die Nase, den du über alles andere liebst.
Neben dem Arm auf deiner Brust tappst ihr Kater auf deinem Bauch rum und versucht es sich gemütlich zu machen. Der Arm gehört Nummer 1. Wenn man genau hinhört, kann man sie ein bisschen schnarchen hören. Allerdings wirklich nur ein kleines bisschen. Muss am Wein liegen, denkst du dir, ehe du feststellst, dass es mit zu den angenehmsten Geräuschen gehört, die du dir vorstellen kannst.
Du versuchst ihre Zahnpastaflecken auf dem Shirt zu zählen, kommst aber nicht weit, weil das Meiste von ihr unter der Decke liegt unter der du ebenfalls liegst. Du hast deine Klamotten noch an und sie muss dich zugedeckt haben.
Du richtest dich auf. Willst möglichst geräuschlos gehen. Sie wacht auf und guckt dich an.
„Wie viel Uhr?“, will sie verschlafen wissen.
Du guckst selbst das erste Mal nach. Es ist kurz nach neun. Eigentlich wolltest du schon auf der Rückfahrt in den Studienort sein. Du hast vielleicht vier Stunden geschlafen. Viel zu wenig, wenn man den Kater mit einrechnet, den du vom Wein hast.
„Das ist ja viel zu früh“, gähnt sie dich an.
„Ich muss trotzdem gehen“, sagst du leise.
Sie winkt dir müde zu, sagt dir, dass man sich nächstes Wochenende sieht, wenn du wieder da bist und du machst dich auf zum alten Elternhaus, wo du eigentlich übernachten wolltest, packst deine Sachen und versuchst die Rückreise anzutreten. Doch es ist Sonntag. Es wird zur Tortur. Busse und Züge machen nicht das was sie sollen. Dein Termin für heute ist sowas von in die Hose gegangen. Aber dir ist das egal.
Irgendwann sitzt du im Zug. Du nickst kurz ein.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Draußen ist es schon wieder dunkel. Der Zug zuckelt gemütlich durch die Landschaft, draußen regnet es. Du kannst draußen nichts erkennen, nur die Regentropfen die sich ein Wettrennen an der Scheibe liefern.
Du versuchst dich zu erinnern.
War ja eigentlich ein fast perfektes Wochenende.
Oder?
Als du später am Bahnhof aussteigst, ist von diesem Wochenende irgendwie nichts übrig. Außer Erinnerungen...
So wie es Träume eben auch tun?
Das perfekte Wochenende beginnt nicht an einem Samstag. Auch nicht an einem Freitag. Es beginnt bereits an einem Donnerstag.
Du kommst von der Universität nach Hause. Es ist schon dunkel draußen. Der Schnee liegt dick und frostig zu deinen Füssen und verheißt die Ankunft des Winters. Als du den Schlüssel im Schloss rumdrehst, hörst du Stimmen die von einem Lachen unterlegt sind.
Der Mitbewohner hat seine Freundin zu Besuch und der Nachbar von unten drunter hat Wein mitgebracht, um es sich auf eurer Couch gemütlich zu machen. Du gibst ein "Hey" in die Runde und bekommst, noch ehe du dich deiner Jacke entledigt hast, ein Glas Rotwein in die Hand gedrückt. Du hast aber nicht viel Zeit. Heute Abend ist noch ein Termin auf den du nicht so wirklich Lust hast. Aber auch nur, weil du gleich wieder raus in die Kälte musst. Lieber würdest du hier sitzen bleiben und Wein trinken.
Du haust dich nochmal für eine Stunde aufs Ohr, sagst du den anderen. Weil du todmüde bist und nicht vollkommen verschlafen beim Tanzkurs, dem anstehenden Termin, auftauchen willst.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Tanzkurs. Auf geht’s. Den Tanzkurs besuchst du ohnehin nur aus einem speziellen Grund, den du deiner Tanzpartnerin aber vorenthältst. Du überbrückst die Zeit beim Tanzen mit ein bisschen blödsinnigem Gerede und ehe du dich versiehst stehst du mit Bekannten in der Kneipe am Campus, weil es nach dem Tanzkurs noch zur alldonnerstäglichen Studentenfeier in der Campuskneipe geht.
Du führst an diesem Abend manch sinnloses Gespräch mit manch noch sinnloserem Menschen. Du feuerst deine üblichen Rauchbomben ab, um für Verwirrung zu sorgen, was deine Person betrifft.
Hier am Studienort, da kennt dich niemand wirklich und jeder denkt sich etwas anderes. Meist das, was du sie in dem Moment wissen lassen willst, damit das passiert, was dir gerade weiterhilft. So ist es auch wieder an diesem Abend. Du erfährst mal wieder mehr über andere als diesen wohl Recht sein kann. Vor allem werden sie es vermutlich am nächsten Morgen schon wieder vergessen haben, dass sie dir Rede und Antwort standen. Du hingegen nicht. Bei dir findet das alles wohlsortiert seinen Platz in deinem Hinterstübchen. Diese Schwäche des Menschen, dass er immer und überall jemand sucht, den er an seinem Leben teilhaben lassen kann, die nutzt du nur Zugern aus. Ohne dabei aber als Freund aufzutreten. Die Leute erzählen dir sogar dann noch alles, wenn du fünf Minuten vorher noch garstig zu ihnen warst. Die wollen einfach reden. Immerzu reden. Am liebsten über sich selbst. Denn jeder ist sich selbst der Nächste.
Als du schließlich an diesem Donnerstag betrunken einschläfst ist das Letzte an das du dich erinnerst, die Frau im Bett, die dich zutextet.
Sie wollen einfach immer reden. Über alles. Und jeden. Meist über sich selbst. Du hörst meistens zu und hältst ihnen dann ihre Fehler vor, in der Hoffnung, dass sie irgendwann weniger reden. Doch das tun sie nicht. Menschen sind eben unverbesserlich.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Niemand ist bei dir. Worüber du nicht böse bist. Du hast lange geschlafen an diesem Freitag und von Dingen geträumt die dir viel zu weit weg erscheinen, als dass du ihnen bei klarem Verstand Platz bieten würdest. So ist das erste was dein gemartertes Hirn von sich gibt eine Schnapsidee, die du bis zur nächsten Begegnung mit der Person, die die Idee betrifft, nicht mehr los wirst.
Du checkst im Laufe des Tages den Plan für deine Schnapsidee und deine Mails. Deine Tanzpartnerin hat dir geschrieben. Sie ist vergeblich auf der Suche nach Freundschaft und fragt sogar, ob du nicht Lust hättest sie auf den Weihnachtsball an eurer Hochschule zu begleiten. Immerhin besucht ihr ja auch zusammen denselben Tanzkurs, den man extra dafür veranstaltet.
Doch du bleibst hart. Hast nicht das geringste Interesse an einer Freundschaft mit dieser Person. Du gibst ihr zu verstehen, dass du keinerlei Verpflichtungen eingehen möchtest und es für dich auch nur um das gemeinsame Tanzen im Kurs geht. Es geht dabei noch nicht mal um das Tanzen mit ihr. Du würdest auch mit jeder anderen tanzen um deine Kenntnisse nochmal aufzufrischen. Das hattest du ihr schon einmal gesagt. Wie egal sie dir ist. Aber es ist wohl nichts davon hängen geblieben. Für den Ball hast du vor jemand anderen zu fragen, sagst du ihr.
Entweder mit diesem Menschen oder gar keinem.
Denn du kannst dankend darauf verzichten allen anderen dabei zuzusehen, wie sie ihre Geschlechtsteile übers Tanzparkett jagen, wenn dir niemand zur Seite steht, mit dem du dich darüber lustig machen kannst. Einen ganzen Abend Heuchelei zu ertragen, bei dem jeder so tut, als sei er wegen der Veranstaltung selbst da, aber stattdessen nur darauf aus sein wird, nicht allein nach Hause zu müssen, das braucht einen starken Verbündeten an deiner Seite, davon bist du überzeugt. Denn du willst an diesem Abend nicht mit den Leuten reden müssen, um dir ihre Geschichten anzuhören, wenn jeder nett und freundlich zueinander ist und alle nur „hihi“ und „Ach, siehst du aber toll aus“, machen. Außerdem muss man sich die ganzen Pärchen nicht geben. Die sind zwar in den meisten Fällen nur Tanzpaare, aber das macht die Sache nicht besser. Eigentlich nur noch schlimmer.
Dann fragst du lieber diesen einen Menschen, deinen Favoriten, ob er mit dir hingeht. Ihr würdet euch den ganzen Abend entweder vergnügt in eine Ecke setzen und über den Rest der Welt lachen oder eben hier und da das Tanzbein schwingen um das Ganze mit ein bisschen Alkohol abzurunden. Davon bist du überzeugt.
Und das sie, deine Tanzpartnerin, ganz bestimmt nicht dieser Mensch ist, davon bist du noch viel überzeugter. Eher noch im Gegenteil. Mit ihr an deiner Seite, wärst du zu einem Abend stundenlanger Heuchelei gezwungen. Müsstest dir Dinge anhören die dich nicht interessieren und die dir nicht weiterhelfen. Nachdem du ihr das alles aufgeschrieben hast, geht’s dir besser.
Jetzt da es ihr schlecht geht, weil du wie in einem Amoklauf mit der Wahrheit um dich geschossen hast, fühlst du dich gut.
Das Leid anderer gereicht uns immer irgendwie zum Vorteil. Auch wenn wir uns das nicht eingestehen wollen.
Du setzt Wahrheit und Lüge unterschiedlich ein. Die Wahrheit schwingst du meist wie einen schweren Hammer, der immer dann niederfährt, wenn dir gerade danach ist, jemanden in deiner Gegenwart auf Distanz zu halten. Die Lüge hingegen ist das schmeichlerische Gegenteil. Sie ist weniger hässlich und bringt die Menschen einander näher. Lügen sind meist die Zukunft einer jeden unaufrichtigen Beziehung zwischen zwei Menschen, in der jeder nur seinen Vorteil sucht. So wie sie jeden Tag zu Millionen geknüpft werden.
Aber wenn man die Wahrheit einsetzt um sich einem anderen Menschen näher zu bringen, dann hält das besser als jede Lüge der Welt.
Mit einer guten Lüge kann man zwar alles erreichen aber nichts was einen glücklich macht. Will man wirklich glücklich mit anderen Menschen werden, dann bleibt einem nur die Ehrlichkeit. Aber insofern man seinen Gegenüber nicht gerade irgendwie liebt, dient die Wahrheit dann meist nur dazu um zu verletzen. Und darin bist du sehr gut. Denn die meisten Menschen sind dir ohnehin egal.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Es ist Samstag. Samstag fährst du endlich heim. Mitbewohner und Freundin sind schon gestern nach Hause. Du bist ganz allein als du aufwachst. So wie du es meistens bist. Egal ob du gerade aufwachst, schlafen gehst oder sonst was machst. Allein bist du.
Du packst deine Sachen, stapfst durch den tauenden Schnee und freust dich einfach nur darauf, endlich wieder die Menschen zu treffen, die dir so unheimlich gut tun. Als du am Bahnhof auf den Zug wartest, pfeift der Wind dir um die Ohren, das in der Nachbarschaft befindliche Kraftwerk brummt monoton vor sich hin, die Autobahn in der Nähe rauscht unaufhörlich und alles ist nass und kalt und überhaupt einfach nur eklig. Hier sterben die Erwartungen massenweise. So fühlt es sich an, an diesem trostlosen Ort der Weltgeschichte, der so abseits liegt, dass du dich jedes Mal, wenn du wieder hierher zurück kehrst, dafür verfluchst, dass du ihn überhaupt aufgesucht hast. Eigentlich willst du hier noch nicht mal tot über dem Gartenzaun liegen. Aber bald ist es ja geschafft, dann kommst du hier dauerhaft weg und dann wird es nichts geben, was dich hierher zurück bringt. Gar nichts.
Wenn du später aus dem Zug aussteigst und diese leicht modrige Stadtluft, bestehend aus Autoabgasen, Müll und viel zu vielen Menschen, dir am Bahnhof deiner Heimatstadt entgegenschlägt, fühlst du dich mit einem Mal wohler als du es an deinem Studienort jemals sein könntest. Hier kann man es aushalten. Mehr als das: hier lebt man auf. Du zumindest.
Du stellst dein Gepäck im Elternhaus ab und wartest auf den Abend. Über die Fußballspiele im Nachmittagsprogramm schläfst du ein.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Viel passiert an diesem Wochenende nicht mehr. Denkst du.
Du triffst dich mit deiner kleinen Schwester, die dich zum Essen eingeladen hat. Sie wohnt schon lange nicht mehr daheim, genau wie du. Sie lebt seit Jahren mit ihrem Freund zusammen.
Du lebst einfach seit Jahren nicht mehr zuhause.
Du erzählst ihr alles, wofür du die letzten Wochen zu faul zum Schreiben warst. Und das ist viel. Nebenbei ist dein Handy ständig gefragt, weil du dir mit ihr, deiner Nummer 1, ein paar SMS hin und her schreibst. Sie arbeitet im Moment aber hat vielleicht später noch Zeit.
Du erzählst deiner kleinen Schwester auch von der Sache mit der Tanzpartnerin. Deine Schwester lacht nur, schüttelt den Kopf und meint, dass du vielleicht noch deutlicher werden musst, damit sie es endlich kapiert.
„Ja, vielleicht“, sagst du. Keine Anklage ihrerseits. Stattdessen wirst du auch noch bestärkt in deinem Verhalten. Also wirst du das vermutlich, mit der Rückendeckung, die du jetzt hast, auch beim nächsten Mal tun.
Als ihr euch voneinander verabschiedet ist es noch früh genug um auch noch deinen kleinen Bruder besuchen zu gehen. Ihr trinkt ein, zwei Bier, quatscht ein bisschen dummes Zeug. Mit seiner Freundin ist immer noch alles bestens. Er wohnt auch schon lange nicht mehr zuhause. Lebt sein eigenes Leben. Weitestgehend. Noch einer weniger, der deine Hilfe braucht. Im Grunde bist du vollkommen überflüssig. Die beiden leben ihr Leben zur Not auch ohne dich, wollen dich aber so gut es geht daran teilhaben lassen. Aber wenn du mal nicht mehr bist, dann drehen sich ihre Welten weiter, davon bist du überzeugt.
Du erzählst auch deinem kleinen Bruder alles Mögliche an Neuigkeiten. Ihr tauscht den aktuellsten Klatsch und Tratsch aus. Auch er bestärkt dich noch einmal darin, deiner Tanzpartnerin ruhig noch deutlicher zu sagen, dass du keinerlei Interesse an einer wie auch immer gearteten Beziehung hast, die über das Tanzen hinausgeht.
Und dich nennen sie das Arschloch, denkst du dir, während deine beiden besten Freunde, dein Bruder und deine Schwester, dir ein sanftmütiges Zeugnis ausstellen.
Dein Handy brummt wieder. Es ist Nummer 1. Sie schreibt, sie hat in einer halben Stunde Feierabend. Man könnte sich ja noch treffen.
Du sagst deinem kleinen Bruder, dass du dann jetzt los musst. Du würdest dich wieder melden, wenn du in der Stadt bist. Der Rest des Abschieds ist der Gleiche, wie der mit deiner Schwester.
Er soll auf sich aufpassen und wenn was ist, dann soll er sich melden.
Doch er wird sich nicht melden. Denn es wird nichts sein, wofür er deiner Hilfe Bedarf. Genauso wenig, wie sie sich melden wird. Beide leben halt ihr Leben. Du kommst darin zwar vor, doch du bist darin nicht so wichtig. Du machst ihnen das auch nicht zum Vorwurf, sondern unterstützt sie darin auch noch. Immerhin haben beide ihren Partner und davon abgesehen ist es ja auch nicht so als könntest du nicht mit allem was dich bedrückt zu ihnen gehen.
Wenn was ist, dann sind sie für dich da, das haben sie schon mehr als einmal bewiesen.
Du und Nummer 1, ihr habt euch für einen kleinen Spaziergang verabredet. Einfach ein bisschen spazieren gehen. Das könnt ihr zwei am besten. Es ist eigentlich scheißkalt und nass, aber das stört euch beide nicht. Ihr wandert einmal von ihrer Haustür zum McDonald’s und wieder zurück. An eurem Zwischenstopp gibt’s zwei Kakao und sie ist fast ununterbrochen am Reden.
Wie alle anderen Menschen auch, erzählt sie am liebsten über sich. Doch ihr hörst du gerne dabei zu. Du versuchst dir alles zu merken, machst Anmerkungen und erhebst Einwände. Du kannst dir aber unmöglich alles merken, was sie sagt. Dafür ist es einfach viel zu viel.
Ihr habt euch länger nicht mehr gesehen oder richtig gesprochen, deshalb ist auch noch genug Gesprächsstoff für den langen Rückweg übrig. Schließlich kommst du auch in Fahrt und erzählst ihr, was es neues gibt. So sehr wie gegenüber Bruder und Schwester gehst du nichts ins Detail. Alles muss sie nicht wissen, doch du bleibst so ehrlich wie möglich. Nur hin und wieder, da verschweigst du was.
Schließlich steht ihr bei ihr vor der Haustür. Es ist schon spät. Du wolltest schon seit zwei Stunden im Bett sein. Morgen musst du unheimlich früh zurück fahren, weil du mittags noch einen Termin am Studienort hast, bei dem sich andere auf dich verlassen.
Sie fragt, ob du noch mit rauf kommen willst, die Bilder von dem letzten Wochenendtrip gucken. Dein Herz sagt ja, dein Kopf sagt nein. Deine Zunge entscheidet sich für die Botschaft aus dem Herz. Schlafen kannst du auch noch, wenn du tot bist, denkst du dir.
Oben angekommen sagt sie, dass du in den Keller gehen sollst, Wein holen. Sie zieht sich in der Zeit etwas Bequemeres an. Als du wieder oben ankommst, steht sie in grauen Schlabberklamotten vor dir. Die pinken Streifen auf ihrer Jogginghose wirken auffällig, jedoch nicht so auffällig, wie ihre Zahnpastaflecken auf dem grauen Oberteil, das ihr über die eine Schulter hängt. Mit der Zahnbürste im Mund steht sie im Flur.
„Warum putzt du dir die Zähne?“, fragst du, auf die Weinflaschen in deiner Hand zeigend.
„Ich hab vergessen, dass du da bist“, sagt sie zahnpastaschäumend, „und dachte ich wollte mich bettfertig machen, nachdem ich schon mal meinen Schlafanzug anhabe.“
Du schüttelst grinsend den Kopf. Ein Mensch, der schusseliger ist als sie, den kennst du nicht.
„Geh schon mal in mein Zimmer, ich komm gleich.“
Gesagt, getan.
Ihr Kater schleicht um dich herum, während du ihr Bücherregal begutachtest und wahllos das ein oder andere Buch durchblätterst. Sie schiebt eine DVD in den Player und fängt schließlich an dir Bilder zu zeigen. Zu jedem Bild hat sie wieder eine kleine Geschichte parat, der du versuchst so gut es geht zu folgen. Du machst wieder Anmerkungen und erzählst ebenfalls Geschichten und irgendwann werden die Bilder immer nebensächlicher.
„Was machst du an Silvester“, fragst du sie. Deine Schnapsidee will endlich raus.
„Wahrscheinlich arbeiten, wie jedes Jahr. Warum?“
„Du kannst nicht irgendwie tauschen, oder so?“
„Ich glaube nicht, dass ich jemanden für Silvester finde. Warum denn?“
„Wir hätten nach Paris fahren können.“
Du erzählst ihr von deiner Idee. Hattest alles schon genau geplant und ausgearbeitet. Am Ende ist sie fast beleidigt, weil es nicht funktionieren wird und du ihr jetzt den Floh ins Ohr gesetzt hast. Für den Ball hat sie auch keine Zeit. Da muss sie auch arbeiten. Auch wenn sie sich das spaßig vorgestellt hätte. Mit Ballkleid, ein bisschen tanzen und viel trinken.
Sie drückt dir irgendwann die Fernbedienung in die Hand und sagt, du müsstest jetzt immer die Bilder weiterschalten, weil sie sich ja schon die ganze Zeit verausgabt, ständig die passende Geschichte dazu zu erzählen.
Sie lehnt sich zurück und während ihr versucht den Wein leer zu machen und immer betrunkener werdet, erzählt sie immer noch genug zu jedem Bild, so dass ihr beide nicht merkt, wie ihr irgendwann eingeschlafen seid.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Irgendwas bohrt sich gerade in deinen Bauch. Du guckst an dir runter. Es ist so hell draußen, dass es viel zu spät ist um heute noch pünktlich zu deinem Termin zu kommen.
Dein erster Gedanke ist: du bist nicht dort, wo du sein solltest.
Dein zweiter Gedanke ist: du bist genau da, wo du sein willst.
Scheiß auf den Rest der Welt. Der ist hier noch viel weniger von Bedeutung als er es schon im Normalfall ist. Du bist bei ihr. Das entspannt dich mehr als alles andere.
Dir steigt dieser angenehme Duft in die Nase, den du über alles andere liebst.
Neben dem Arm auf deiner Brust tappst ihr Kater auf deinem Bauch rum und versucht es sich gemütlich zu machen. Der Arm gehört Nummer 1. Wenn man genau hinhört, kann man sie ein bisschen schnarchen hören. Allerdings wirklich nur ein kleines bisschen. Muss am Wein liegen, denkst du dir, ehe du feststellst, dass es mit zu den angenehmsten Geräuschen gehört, die du dir vorstellen kannst.
Du versuchst ihre Zahnpastaflecken auf dem Shirt zu zählen, kommst aber nicht weit, weil das Meiste von ihr unter der Decke liegt unter der du ebenfalls liegst. Du hast deine Klamotten noch an und sie muss dich zugedeckt haben.
Du richtest dich auf. Willst möglichst geräuschlos gehen. Sie wacht auf und guckt dich an.
„Wie viel Uhr?“, will sie verschlafen wissen.
Du guckst selbst das erste Mal nach. Es ist kurz nach neun. Eigentlich wolltest du schon auf der Rückfahrt in den Studienort sein. Du hast vielleicht vier Stunden geschlafen. Viel zu wenig, wenn man den Kater mit einrechnet, den du vom Wein hast.
„Das ist ja viel zu früh“, gähnt sie dich an.
„Ich muss trotzdem gehen“, sagst du leise.
Sie winkt dir müde zu, sagt dir, dass man sich nächstes Wochenende sieht, wenn du wieder da bist und du machst dich auf zum alten Elternhaus, wo du eigentlich übernachten wolltest, packst deine Sachen und versuchst die Rückreise anzutreten. Doch es ist Sonntag. Es wird zur Tortur. Busse und Züge machen nicht das was sie sollen. Dein Termin für heute ist sowas von in die Hose gegangen. Aber dir ist das egal.
Irgendwann sitzt du im Zug. Du nickst kurz ein.
Du wachst auf. Versuchst dich zu erinnern.
Draußen ist es schon wieder dunkel. Der Zug zuckelt gemütlich durch die Landschaft, draußen regnet es. Du kannst draußen nichts erkennen, nur die Regentropfen die sich ein Wettrennen an der Scheibe liefern.
Du versuchst dich zu erinnern.
War ja eigentlich ein fast perfektes Wochenende.
Oder?
Als du später am Bahnhof aussteigst, ist von diesem Wochenende irgendwie nichts übrig. Außer Erinnerungen...
Sonntag, 12. Dezember 2010
Von Fiktion und Realität...
Das Eine bedingt das Andere. Ohne die Fiktion, ohne das Träumen, ist die Realität nichts wert und andersrum genauso. So verhält sich das auch mit den Kurzgeschichten die ich bisweilen hier so reinschreibe. Nicht alles darin ist mir so passiert aber alles basiert auf einer wahren Begebenheit und geht auf echte Menschen zurück. Manchmal dichte ich was hinzu, damit ich was aufschreiben kann, das mir auf dem Herzen liegt, manchmal lasse ich unwichtiges weg und hin und wieder schreib ich die Geschichte so um, wie sie mir richtig erscheint ohne auch nur den geringsten Wert auf Objektivität zu legen. Dann wird aus einem Hund eine Katze oder der gute Freund wird durch einen flüchtigen Bekannten in der Geschichte vertreten.
Gemein ist allen, dass sie mir wichtig sind und irgendwas zum Ausdruck bringen oder von etwas berichten, dass mir so passiert ist und worüber mein Kopf beim Grübeln verrückt wird.
Das bedeutet, ob nun letztlich Realität oder Fiktion: es betrifft mich zu 100%.
Was nun letztlich Fiktion und was Realität ist, das muss der Leser mit sich selbst ausmachen. Ich ebenso.
Und manchmal wünscht ich mir, Fiktion wäre Realität und Realität wäre Fiktion. Aber das bleibt in diesem Blog unwichtig.
Gemein ist allen, dass sie mir wichtig sind und irgendwas zum Ausdruck bringen oder von etwas berichten, dass mir so passiert ist und worüber mein Kopf beim Grübeln verrückt wird.
Das bedeutet, ob nun letztlich Realität oder Fiktion: es betrifft mich zu 100%.
Was nun letztlich Fiktion und was Realität ist, das muss der Leser mit sich selbst ausmachen. Ich ebenso.
Und manchmal wünscht ich mir, Fiktion wäre Realität und Realität wäre Fiktion. Aber das bleibt in diesem Blog unwichtig.
Samstag, 11. Dezember 2010
Vom Rad der Zeit...
Stehen bleiben. Loslassen. Die Gegenwart an sich vorüber ziehen lassen. Der Zukunft hinterher blicken und in der Vergangenheit verweilen. Wenn es nur so einfach wäre.
Doch das Rad der Zeit dreht sich unermüdlich weiter und reißt jeden mit. Die, die sich trotzdem versuchen zu erwehren, gehen früher oder später daran kaputt, geben sie nicht vorher auf.
Doch dir kann's egal sein. Denn es zerreißt dich so oder so, wenn du daran denkst, dass du sie nie wieder so halten können wirst, wie du es einst getan hast.
Bleibst du also stehen oder gehst doch weiter; dein Herz verweilt an diesem Ort der Zeit, während der Rest leblos mitgerissen wird. So bleibt die Zeit das was dich am Ende auffrisst und in den Wahnsinn treibt, welcher dich anspornen wird immer mehr zu unternehmen, in dem vergeblichen Versuch das Rad der Zeit wieder zurück zu drehen und sie wieder so in die Arme zu schließen wie dein Herz sich nichts sehnlicher wünscht.
Denn alles andere würde dein Herz aufgeben, selbst dich, den es alleine weiterziehen lassen will, wenn nicht irgendwer sich bereit erklärt es in die Gegenwart zurück zu holen und dich wieder vervollständigt. Am besten sie persönlich.
Bis dahin bleibst du rastlos und zerissen...
Doch das Rad der Zeit dreht sich unermüdlich weiter und reißt jeden mit. Die, die sich trotzdem versuchen zu erwehren, gehen früher oder später daran kaputt, geben sie nicht vorher auf.
Doch dir kann's egal sein. Denn es zerreißt dich so oder so, wenn du daran denkst, dass du sie nie wieder so halten können wirst, wie du es einst getan hast.
Bleibst du also stehen oder gehst doch weiter; dein Herz verweilt an diesem Ort der Zeit, während der Rest leblos mitgerissen wird. So bleibt die Zeit das was dich am Ende auffrisst und in den Wahnsinn treibt, welcher dich anspornen wird immer mehr zu unternehmen, in dem vergeblichen Versuch das Rad der Zeit wieder zurück zu drehen und sie wieder so in die Arme zu schließen wie dein Herz sich nichts sehnlicher wünscht.
Denn alles andere würde dein Herz aufgeben, selbst dich, den es alleine weiterziehen lassen will, wenn nicht irgendwer sich bereit erklärt es in die Gegenwart zurück zu holen und dich wieder vervollständigt. Am besten sie persönlich.
Bis dahin bleibst du rastlos und zerissen...
Montag, 25. Oktober 2010
Von Befreiung...
Das wird mein vorerst letzter persönlicher Eintrag in diesem Blog werden. Denn ich habe nichts mehr zu sagen, glaub ich. Die meisten meiner Gedanken trieben sich irgendwie ohnehin immer um einen Menschen. Doch wenn ich mal objektiv genug bin, dann muss ich wohl feststellen, dass wir voneinander doch sehr weit entfernt sind. Ich hatte diese Erkenntnis schon einmal, doch nachdem man sich dann wiedergesehen hatte, war ich dem ganzen Umstand wieder verfallen.
Sich zu lösen, loszulassen, ist nicht so einfach.
Lieben bedeutet wohl vor allem das. Nicht loslassen zu können.
Aber ich habe irgendwie alles zu dem Thema auf die eine oder andere Weise bereits geschrieben. Und letztlich wurde dieser Blog aus dem Impuls heraus geboren hin und wieder mal in mir aufzuräumen. Das meiste Chaos in mir hat sie verursacht. Nicht immer auf angenehme Art.
Eigentlich bin ich auch kein Mensch der sich an andere auf irgendeine Art bindet. Denn jede Art von Bindung schränkt ein. Bedauerlicherweise ist das wohl einer unserer Urinstinkte, immer auf der Suche nach etwas zu sein, dass uns letztlich einschränkt. Und diese Einschränkung kann ja auch angenehmer Natur sein, wenn man zufrieden mit den abgesteckten Grenzen ist.
Aber mit dieser Einschränkung ist jetzt Schluss. Wenn ich es ihr nicht wert bin, dann soll es halt nicht sein. Und hey, man kann niemandem einen Vorwurf machen, dass er einen nicht liebt. Vielleicht hat sie ja auch Recht, wenn sie behauptet, dass wir nicht zusammen passen. Glaub ich zwar nicht, aber muss ich ja auch nicht.
Ob wir ganz normal miteinander befreundet sein können, weiß ich nicht. Denn wir meiden bereits jetzt Themen (vor allem wohl ich), damit wir nicht irgendetwas erfahren, was uns vielleicht nicht passt.
Am Wochenende werde ich sie wohl wiedersehen, dann bin ich wieder in der Heimat. Mal schauen wie es wird und mit was für einem Gefühl ich sie dann wieder verlasse. Aber in mir macht sich wieder diese Ödnis breit, die ich abgeschüttelt vermutete, nachdem ich sie kennen gelernt hatte.
Liebe ist ja leider nichts anderes, als tonnenweise Süßkram in sich rein zustopfen. Es macht dich glücklich und dick. Nicht erwiderte Liebe hingegen macht unglücklich und verursacht Stimmungsschwankungen. Davon hab ich erst einmal genug, ehrlich gesagt. Zudem ist das mit der Liebe und Schmerzen ähnlich. Hat beides viel mit Willenskraft zu tun. Vielleicht ist das der passende Zeitpunkt um mir mein Herz, welches ich ihr geschenkt hatte, zurückzuholen. Keine Ahnung.
Aber ich wird‘s wohl versuchen und dann erst einmal für mich behalten. Der nächste der es will, der muss es sich dann schon stehlen. Vielleicht stiehlt sie es ja auch. Ist auf jeden Fall die bessere Alternative als es herzu schenken. Denn erstaunlicherweise bin ich ein wirklich guter Menschenkenner. Nur beim Verlieben, da versage ich immer.
Im Grunde ist das hier auch nur eine konsequente Herangehensweise an die Sache mit dem Nullpunkt. Abhängigkeiten beenden. Nachteil ist halt, dass man aufgrund von sehr viel Freiraum viel zu viel Raum hat, den man allein nicht gefüllt bekommt… und das macht einsam.
Dabei würde ich eigentlich einfach nur gerne irgendwie gerettet werden. Oder retten dürfen. Am liebsten beides. Es ist alternativlos.
Jetzt werde auf uns beide trinken. Auf diesen unerfüllten Traum. Auf diese trostlose Welt. Auf den Rückschritt. Auf neuen Anlauf. Auf die Menschheit. Auf das Leben an sich.
Auf die gute alte Zeit.
Und vor allem auf mich.
Und ihr da draußen: erzählt mir nix über die Liebe. Ich weiß alles darüber, was ich wissen muss. Früher oder später find ich sie auch noch. Die eine die glücklich macht. Und wenn nicht, dann nicht. Aber wenigstens bin ich jetzt erst einmal frei - abgesehen von Freundschaften keine Verpflichtungen. Das muss ja auch reichen.
Sich zu lösen, loszulassen, ist nicht so einfach.
Lieben bedeutet wohl vor allem das. Nicht loslassen zu können.
Aber ich habe irgendwie alles zu dem Thema auf die eine oder andere Weise bereits geschrieben. Und letztlich wurde dieser Blog aus dem Impuls heraus geboren hin und wieder mal in mir aufzuräumen. Das meiste Chaos in mir hat sie verursacht. Nicht immer auf angenehme Art.
Eigentlich bin ich auch kein Mensch der sich an andere auf irgendeine Art bindet. Denn jede Art von Bindung schränkt ein. Bedauerlicherweise ist das wohl einer unserer Urinstinkte, immer auf der Suche nach etwas zu sein, dass uns letztlich einschränkt. Und diese Einschränkung kann ja auch angenehmer Natur sein, wenn man zufrieden mit den abgesteckten Grenzen ist.
Aber mit dieser Einschränkung ist jetzt Schluss. Wenn ich es ihr nicht wert bin, dann soll es halt nicht sein. Und hey, man kann niemandem einen Vorwurf machen, dass er einen nicht liebt. Vielleicht hat sie ja auch Recht, wenn sie behauptet, dass wir nicht zusammen passen. Glaub ich zwar nicht, aber muss ich ja auch nicht.
Ob wir ganz normal miteinander befreundet sein können, weiß ich nicht. Denn wir meiden bereits jetzt Themen (vor allem wohl ich), damit wir nicht irgendetwas erfahren, was uns vielleicht nicht passt.
Am Wochenende werde ich sie wohl wiedersehen, dann bin ich wieder in der Heimat. Mal schauen wie es wird und mit was für einem Gefühl ich sie dann wieder verlasse. Aber in mir macht sich wieder diese Ödnis breit, die ich abgeschüttelt vermutete, nachdem ich sie kennen gelernt hatte.
Liebe ist ja leider nichts anderes, als tonnenweise Süßkram in sich rein zustopfen. Es macht dich glücklich und dick. Nicht erwiderte Liebe hingegen macht unglücklich und verursacht Stimmungsschwankungen. Davon hab ich erst einmal genug, ehrlich gesagt. Zudem ist das mit der Liebe und Schmerzen ähnlich. Hat beides viel mit Willenskraft zu tun. Vielleicht ist das der passende Zeitpunkt um mir mein Herz, welches ich ihr geschenkt hatte, zurückzuholen. Keine Ahnung.
Aber ich wird‘s wohl versuchen und dann erst einmal für mich behalten. Der nächste der es will, der muss es sich dann schon stehlen. Vielleicht stiehlt sie es ja auch. Ist auf jeden Fall die bessere Alternative als es herzu schenken. Denn erstaunlicherweise bin ich ein wirklich guter Menschenkenner. Nur beim Verlieben, da versage ich immer.
Im Grunde ist das hier auch nur eine konsequente Herangehensweise an die Sache mit dem Nullpunkt. Abhängigkeiten beenden. Nachteil ist halt, dass man aufgrund von sehr viel Freiraum viel zu viel Raum hat, den man allein nicht gefüllt bekommt… und das macht einsam.
Dabei würde ich eigentlich einfach nur gerne irgendwie gerettet werden. Oder retten dürfen. Am liebsten beides. Es ist alternativlos.
Jetzt werde auf uns beide trinken. Auf diesen unerfüllten Traum. Auf diese trostlose Welt. Auf den Rückschritt. Auf neuen Anlauf. Auf die Menschheit. Auf das Leben an sich.
Auf die gute alte Zeit.
Und vor allem auf mich.
Und ihr da draußen: erzählt mir nix über die Liebe. Ich weiß alles darüber, was ich wissen muss. Früher oder später find ich sie auch noch. Die eine die glücklich macht. Und wenn nicht, dann nicht. Aber wenigstens bin ich jetzt erst einmal frei - abgesehen von Freundschaften keine Verpflichtungen. Das muss ja auch reichen.
Mittwoch, 22. September 2010
Von den Fakten des Lebens...
Layer Cake, einer meiner liebsten Filme, beinhaltet auch eines meiner liebsten Zitate. Einfach das Gesagte wirken lassen. Die Szene macht mir jedesmal wieder eine leichte Gänsehaut...
Wo er recht hat, hat er recht, der gute Dumbeldore.
You're born, you take shit. You get out in the world, you take more shit. You climb a little higher, you take less shit. Till one day you're up in the rarefied atmosphere and you've forgotten what shit even looks like. Welcome to the layer cake son.
Wo er recht hat, hat er recht, der gute Dumbeldore.
Montag, 20. September 2010
Von Leuten die mir das Leben schwer machen...
Dieser Eintrag wird unter Umständen arrogant daher kommen. Damit muss ich aber leben. Damit kann ich auch sehr gut leben. Denn mir geht da eine Sache ziemlich auf den Sack.
Wenn man sich vor Augen hält, wie viele Leute ständig irgendwas sagen, ohne groß darüber nachzudenken, was sie da eigentlich sagen, dann macht das Menschen wie mir das Leben schwer, die sich gründlich überlegen was man sagt und wie man was empfindet.
Wenn ich einem Menschen sage, dass ich ihn als einen Freund schätze, dann hat das unheimlich viel zu bedeuten. Freunde habe ich nämlich nur 3 an der Zahl. Der Rest sind (gute) Bekanntschaften, Idioten und ein Sonderfall.
Wie böse und irritiert Leute gucken können, sagt man ihnen, dass sie nicht dein Freund sind.
Weiß eigentlich überhaupt noch jemand, vor lauter studiVZ-Freunden und Facebookbuddies was echte Freundschaft bedeutet? Was man dabei für Verantwortungen eingeht. Was man sich für Verpflichtungen auferlegt. Was man für eine Bindung eingeht?
Ich glaube nicht.
Genauso wird, wie mir scheint, diesese "ich hab dich lieb" einem schon fast inflationär um die Ohren gehauen.
Jemanden lieb haben. Jemanden lieben. An sich zwei unterschiedliche Sachen, aber der Einfachheit halber (und weil beides gern hohl gebraucht wird), packen wir das jetzt mal zusammen.
Die meisten wissen doch gar nicht mal, was man da überhaupt lieb hat, weil sie den gegenüber kaum kennen. Sie lieben ein Idealbild, ja. Aber sie übersehen dabei gerne, dass der andere auch noch Ecken und Kanten hat. Die gehen dann gern bei und sagen sich, dass sie nur dies (seinen tollen Humor) und das (seinen Sanftmut) aber nicht dieses (seine Unpünktlichkeit) oder jenes (seine Wehleidigkeit) am anderen lieb haben.
Will man jemanden lieb haben, dann muss man auch seine schlechten Eigenschaften lieb haben. Denn sonst gerät man immer unweigerlich in die Versuchung den anderen ändern zu wollen (die Person die man ja angeblich lieb hat) oder man ignoriert teile der Persönlichkeit des anderen, was dazu führt, dass ich mich nie voll und ganz auf den anderen einlassen kann.
Will man jemanden als Freund gewinnen, dann muss man sich vor Augen halten, dass auch die schlechten Seiten eines Menschen dazu gehören. Dass sie ihn zu dem Menschen machen, den man eben lieb hat - oder zumindest behauptet lieb zu haben.
Ich weiß auch nicht... mir kommts manchmal so vor, als würden andere mit einem "ich hab dich lieb" einfach nur die Hoffnung zum Ausdruck bringen wollen, dass man es ihnen genauso oft sagt.
So nach dem Motto "Wie ich dir, so du mir!"
Ist ja auch irgenwie gut fürs Ego, wenn man so ein "ich hab dich lieb" zu hören bekommt. Wenn man denn ignorieren kann, dass da eigentlich kaum was dahinter steckt.
Leute?
Ihr nervt.
Und zwar gewaltig.
In meinem Alltag bin ich eigentlich keiner der verbal auf Kuschelkurs geht. Eben weil ich Höflichkeit meist für unnötig erachte und ein Mensch bin, der brutale Offenheit und Ehrlichkeit gern lebt. Freunde sollten sowas aushalten... und Bekanntschaften die daran zerbrechen... ja, mein Gott. Kommt vor. Kann ich mit leben.
Heute Mittag hab ich jemanden gesagt, dass ich ihn lieb habe. Einfach so. Weils mir ein Anliegen war. Eigentlich könnt ich ihm das in letzter Zeit ständig sagen, wenn man sich mal spricht. Ich mach das, weil ich dem anderen damit zeigen will, was er mir bedeutet.
Manchmal krieg ich ein "ich hab dich auch lieb" zurück, aber meistens kommt nix und damit kann ich sehr gut Leben. Denn ich liebe auch, ohne, dass man mich zurück liebt.
Ohne Scheiß.
Hört auf eure Eitelkeit zu befriedigen, indem ihr versucht andere einzulullen mit euren holen Phrasen von Freundschaft und "lieb haben", "lieben", wenn dann am Ende, wenns mal drauf ankäm, aber nix bei rum kommt und man merkt, dass ihr euch nur die Rosinen bei einem rausgepickt habt.
Setzt euch mit dem Menschen, den ihr da lieb haben wollt und der angeblich euer Freund ist, wirklich auseinander. Dann könnt ihr auch mit Überzeugung behaupten, dass ihr den lieb habt. Dass er euer Freund ist.
Unterstreicht mit Taten das Gesagte. Nichts beweist mehr, was wir sind und wie wir denken, als das was wir tun.
Und warum ihr mich jetzt aufregt?
Weil ich jemand bin, der sich eben dies macht: Gedanken um die Person, die er vorgibt lieb zu haben. Der Freundschaften noch als das begreift was sie sind: selten, kostbar, unersetzlich. Der gern öfter mal weniger von all diesem Hollywoodstoff um sich rum hätte. Liebe. Dieses Wort scheint so alltäglich geworden zu sein, wird in jedem Film auf die Leinwand gebannt, in jeder Daily-Soap bis zum Erbrechen vergewaltigt, in (fast) jedem Buch wortschwer über hunderte Seiten ausgedehnt und im Alltag so leichtfertig gebraucht, dass man es gar nicht mehr versteht, befürchte ich.
Alles stumpfe Konsumenten, von den Medien verblödet, einfach wiederkäuend, was man im Nachmittagsprogramm vorfindet, weils ja alle so machen.
So Leute wie ich, die damit kostbar umgehen, es nur wenigen Menschen schenken, denen macht ihr damit das Leben schwer.
Denn uns glaubt man nur schwer, wenn wir es dann mal in den Mund nehmen. Da wird dann auch geglaubt, dass es genauso leichtfertig daher kommt, wie bei all den anderen Spacken vorher.
Denn vor uns, haben das schon Hundert andere getan, die es nicht verstanden haben. Und die es einfach nur gebraucht haben, um sich selbst besser zu fühlen.
Doch darum geht es eigentlich nicht beim Lieben...
...darum geht es beim geliebt werden...
...aber das begreift ihr vielleicht irgendwann auch nochmal.
Wenn man sich vor Augen hält, wie viele Leute ständig irgendwas sagen, ohne groß darüber nachzudenken, was sie da eigentlich sagen, dann macht das Menschen wie mir das Leben schwer, die sich gründlich überlegen was man sagt und wie man was empfindet.
Wenn ich einem Menschen sage, dass ich ihn als einen Freund schätze, dann hat das unheimlich viel zu bedeuten. Freunde habe ich nämlich nur 3 an der Zahl. Der Rest sind (gute) Bekanntschaften, Idioten und ein Sonderfall.
Wie böse und irritiert Leute gucken können, sagt man ihnen, dass sie nicht dein Freund sind.
Weiß eigentlich überhaupt noch jemand, vor lauter studiVZ-Freunden und Facebookbuddies was echte Freundschaft bedeutet? Was man dabei für Verantwortungen eingeht. Was man sich für Verpflichtungen auferlegt. Was man für eine Bindung eingeht?
Ich glaube nicht.
Genauso wird, wie mir scheint, diesese "ich hab dich lieb" einem schon fast inflationär um die Ohren gehauen.
Jemanden lieb haben. Jemanden lieben. An sich zwei unterschiedliche Sachen, aber der Einfachheit halber (und weil beides gern hohl gebraucht wird), packen wir das jetzt mal zusammen.
Die meisten wissen doch gar nicht mal, was man da überhaupt lieb hat, weil sie den gegenüber kaum kennen. Sie lieben ein Idealbild, ja. Aber sie übersehen dabei gerne, dass der andere auch noch Ecken und Kanten hat. Die gehen dann gern bei und sagen sich, dass sie nur dies (seinen tollen Humor) und das (seinen Sanftmut) aber nicht dieses (seine Unpünktlichkeit) oder jenes (seine Wehleidigkeit) am anderen lieb haben.
Will man jemanden lieb haben, dann muss man auch seine schlechten Eigenschaften lieb haben. Denn sonst gerät man immer unweigerlich in die Versuchung den anderen ändern zu wollen (die Person die man ja angeblich lieb hat) oder man ignoriert teile der Persönlichkeit des anderen, was dazu führt, dass ich mich nie voll und ganz auf den anderen einlassen kann.
Will man jemanden als Freund gewinnen, dann muss man sich vor Augen halten, dass auch die schlechten Seiten eines Menschen dazu gehören. Dass sie ihn zu dem Menschen machen, den man eben lieb hat - oder zumindest behauptet lieb zu haben.
Ich weiß auch nicht... mir kommts manchmal so vor, als würden andere mit einem "ich hab dich lieb" einfach nur die Hoffnung zum Ausdruck bringen wollen, dass man es ihnen genauso oft sagt.
So nach dem Motto "Wie ich dir, so du mir!"
Ist ja auch irgenwie gut fürs Ego, wenn man so ein "ich hab dich lieb" zu hören bekommt. Wenn man denn ignorieren kann, dass da eigentlich kaum was dahinter steckt.
Leute?
Ihr nervt.
Und zwar gewaltig.
In meinem Alltag bin ich eigentlich keiner der verbal auf Kuschelkurs geht. Eben weil ich Höflichkeit meist für unnötig erachte und ein Mensch bin, der brutale Offenheit und Ehrlichkeit gern lebt. Freunde sollten sowas aushalten... und Bekanntschaften die daran zerbrechen... ja, mein Gott. Kommt vor. Kann ich mit leben.
Heute Mittag hab ich jemanden gesagt, dass ich ihn lieb habe. Einfach so. Weils mir ein Anliegen war. Eigentlich könnt ich ihm das in letzter Zeit ständig sagen, wenn man sich mal spricht. Ich mach das, weil ich dem anderen damit zeigen will, was er mir bedeutet.
Manchmal krieg ich ein "ich hab dich auch lieb" zurück, aber meistens kommt nix und damit kann ich sehr gut Leben. Denn ich liebe auch, ohne, dass man mich zurück liebt.
Ohne Scheiß.
Hört auf eure Eitelkeit zu befriedigen, indem ihr versucht andere einzulullen mit euren holen Phrasen von Freundschaft und "lieb haben", "lieben", wenn dann am Ende, wenns mal drauf ankäm, aber nix bei rum kommt und man merkt, dass ihr euch nur die Rosinen bei einem rausgepickt habt.
Setzt euch mit dem Menschen, den ihr da lieb haben wollt und der angeblich euer Freund ist, wirklich auseinander. Dann könnt ihr auch mit Überzeugung behaupten, dass ihr den lieb habt. Dass er euer Freund ist.
Unterstreicht mit Taten das Gesagte. Nichts beweist mehr, was wir sind und wie wir denken, als das was wir tun.
Und warum ihr mich jetzt aufregt?
Weil ich jemand bin, der sich eben dies macht: Gedanken um die Person, die er vorgibt lieb zu haben. Der Freundschaften noch als das begreift was sie sind: selten, kostbar, unersetzlich. Der gern öfter mal weniger von all diesem Hollywoodstoff um sich rum hätte. Liebe. Dieses Wort scheint so alltäglich geworden zu sein, wird in jedem Film auf die Leinwand gebannt, in jeder Daily-Soap bis zum Erbrechen vergewaltigt, in (fast) jedem Buch wortschwer über hunderte Seiten ausgedehnt und im Alltag so leichtfertig gebraucht, dass man es gar nicht mehr versteht, befürchte ich.
Alles stumpfe Konsumenten, von den Medien verblödet, einfach wiederkäuend, was man im Nachmittagsprogramm vorfindet, weils ja alle so machen.
So Leute wie ich, die damit kostbar umgehen, es nur wenigen Menschen schenken, denen macht ihr damit das Leben schwer.
Denn uns glaubt man nur schwer, wenn wir es dann mal in den Mund nehmen. Da wird dann auch geglaubt, dass es genauso leichtfertig daher kommt, wie bei all den anderen Spacken vorher.
Denn vor uns, haben das schon Hundert andere getan, die es nicht verstanden haben. Und die es einfach nur gebraucht haben, um sich selbst besser zu fühlen.
Doch darum geht es eigentlich nicht beim Lieben...
...darum geht es beim geliebt werden...
...aber das begreift ihr vielleicht irgendwann auch nochmal.
Samstag, 11. September 2010
Von der Beziehungsarithmetik...
Die meisten Menschen träumen davon, dass 1+1=1 wäre. Doch das ist nicht der Fall. Spätestens mit sechs Jahren lernen die Meisten von uns, dass 1+1=2 ist.
Was noch anzumerken ist, ist, dass es hin und wieder vorkommt, dass 1+1=0 ist. Das passiert immer dann, wenn man akribisch versucht aus 1+1 eine neue 1 zu machen.
Bei Beziehungen zwischen zwei Menschen entsteht also etwas neues, das für sich genommen vollkommen selbstständig ist, doch ohne die Bestandteile seiner Summe nicht überlebt.
Nur wer also akzeptiert, dass es neben dem "wir" noch ein "ich" und "du" gibt, wird auf Dauer seine Rechnung vernünftig halten. Dem Anderen Raum zur Entfaltung geben, das Individuum als solches akzeptieren und lieben (und nicht nur 3/4 davon, denn 3/4+1 ergibt auch nicht 2) und die Rechnung bleibt unantastbar für äußere Einflüsse. Denn solange sie nicht von innen heraus bereits auf tönernen Füßen steht, kann sie unerschütterlich bleiben.
Leider ergeben die meisten Beziehungen schon im Vorfeld kein 2 und gehen daher früher oder später auseinander. Dafür muss man sich nur vor Augen führen, wie viele Beziehungen man kennt, die gehalten haben.
Einfach mal nachrechnen...
Was noch anzumerken ist, ist, dass es hin und wieder vorkommt, dass 1+1=0 ist. Das passiert immer dann, wenn man akribisch versucht aus 1+1 eine neue 1 zu machen.
Bei Beziehungen zwischen zwei Menschen entsteht also etwas neues, das für sich genommen vollkommen selbstständig ist, doch ohne die Bestandteile seiner Summe nicht überlebt.
Nur wer also akzeptiert, dass es neben dem "wir" noch ein "ich" und "du" gibt, wird auf Dauer seine Rechnung vernünftig halten. Dem Anderen Raum zur Entfaltung geben, das Individuum als solches akzeptieren und lieben (und nicht nur 3/4 davon, denn 3/4+1 ergibt auch nicht 2) und die Rechnung bleibt unantastbar für äußere Einflüsse. Denn solange sie nicht von innen heraus bereits auf tönernen Füßen steht, kann sie unerschütterlich bleiben.
Leider ergeben die meisten Beziehungen schon im Vorfeld kein 2 und gehen daher früher oder später auseinander. Dafür muss man sich nur vor Augen führen, wie viele Beziehungen man kennt, die gehalten haben.
Einfach mal nachrechnen...
Vom Weg zum Nullpunkt...
Fight Club OST - This Is Your Life (Animation).
Furcht besiegen:
Zuerst musst du wissen, nicht fürchten, sondern wissen, dass du einmal sterben wirst. Nur wer sich mit dem Tod konfrontiert, fängt wahrhaft an zu leben. Wir haben nur dieses eine Leben und das müssen wir begreifen, denn mit jeder Sekunde sterben wir. Wer die Furcht vor dem Tod verliert, verliert auch die Furcht vor dem Leben.
Abhängigkeit beenden:
Alles, was du hast, hat irgendwann dich.
Wir richten unser Leben im Allgemeinen darauf aus, sinnliche und materielle Befriedigungen zu erlangen. Je mehr wir uns so befriedigen wollen, desto mehr Angst haben wir, das Erlangte wieder zu verlieren. Alles, wofür wir so lange gekämpft haben, könnte wieder so schnell verloren gehen. Jegliche Veränderung ruft Unruhe in uns hervor. Je mehr Unruhe wir in uns haben, desto größer wird unsere Sehnsucht festzuhalten. Wir werden abhängig.
Wir opfern den Großteil unseres Lebens dafür diese Befriedigung nicht wieder zu verlieren. Wir beginnen unter der enormen Abhängigkeit, in die wir uns begeben, um der Befriedigung unserer Sinne nachzujagen, zu leiden. Deshalb müssen wir uns von der Abhängigkeit und der Sorge um diese Unwichtigkeiten befreien.
Wir sind nicht unser Job, nicht das Geld auf unserem Konto, nicht das Auto, das wir fahren, und nicht der Inhalt unserer Brieftasche.
Verlegenheit überwinden:
Kleine Benimmfrage: Wenn ich vorbei gehe, wende ich Ihnen den Arsch oder den Schritt zu?
Wir haben ständig Angst davor unser Gesicht zu verlieren, dass man uns bloß stellt, dass uns etwas Peinliches passiert, dass wir durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen haben. Warum? Wir fürchten uns vor einer Demütigung, vor einen Achtungsverlust in unserem sozialen Umfeld.
Was uns fehlt ist das nötige Selbstbewusstsein. Nur wem es egal ist was andere über ihn denken, kann so sein wie er will. Wer seine Verlegenheit besiegt, kann auch seine Eitelkeit ablegen.
Eitelkeit ablegen:
Mir tun die Menschen leid, die versuchen so auszusehen, wie es ihnen Calvin Klein oder Tommy Hilfiger einreden. Wir sind nichts Besonderes. Wir sind keine wunderschönen, einzigartigen Schneeflocken. Wir sind genauso verwesende Biomasse wie alles Andere.
Selbstverbesserung ist Masturbation…
Uns wird ständig gezeigt wie wir aussehen müssen, wie wir uns verhalten sollen. Die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit nimmt kein Ende.
Die Grenzen zwischen der natürlichen Freude am eigenen Körper und der übertriebenen Sorge um die eigene Attraktivität sind fließend. Denn jeder versucht durch sein Äußeres eine Bestätigung in unserer Gesellschaft zu finden. Doch die Eitelkeit führt schnell zur Selbstsucht und Überheblichkeit. Nur wer sich auch „unmaskiert“ selbstbewusst in der Öffentlichkeit verhalten und zeigen kann, ist nicht mehr in sich selbst verliebt, sondern mit sich selbst zufrieden.
Überheblichkeit aufgeben:
Hör auf alles kontrollieren zu wollen, lass einfach los, lass los!!!
Wir halten uns für einzigartig und unersetzlich. Auf diesem Planeten haben bereits Milliarden Menschen vor dir gelebt, die das Gleiche dachten. Sie hatten Unrecht. Die Welt dreht sich noch immer. Auch ohne sie. Wir sind überzeugt von uns und unseren Fähigkeiten. Wir wollen alles beherrschen und besser wissen können. Und wir fangen an uns für etwas Besseres zu halten. Doch in Wahrheit wissen wir, dass es nicht so ist.
Während wir uns nach außen hin hervortun, fühlen wir uns innerlich minderwertig. Wir beziehen unser Selbstwertgefühl darüber, dass wir uns rechthaberisch und überlegener geben. Andere klein halten. Durch unsere Überheblichkeit schaffen wir eine Distanz zu unserem Gegenüber, um uns zu schützen. Wir glauben, wenn wir alles manipulieren können haben wir die absolute Kontrolle und Macht.
Nur wer in sich ruht und selbstbewusst auftritt ohne andere Menschen abzuwerten, Dinge zu manipulieren oder sich mit seinen Taten zu brüsten, ist wirklich von sich überzeugt.
Er lebt nach dem Motto: Leben und leben lassen.
Furcht besiegen
Abhängigkeit beenden
Verlegenheit überwinden
Eitelkeit ablegen
Überheblichkeit aufgeben
Frei nach Tyler Durden
Viel Erfolg.
Abonnieren
Posts (Atom)