Zwei Wochen ist es jetzt her. Seit dem fühl ich mich vollkommen allein. Niemand kann mir helfen. Dieses Gefühl nur auf Besuch zu sein, stellt sich wieder massiv bei mir ein. Und das ist grauenhaft. Ich hab tolle Feunde, ja. Aber auch die können mir nicht helfen. Denn jeder von denen ist mit sich selbst beschäftigt. Ich sitze derweil in meinem selbstgewählten Exil, am Studienort und grübel darüber was das alles noch für einen Sinn hat. Dieser Mensch, der diesen Blog eigentlich erst ins Leben gerufen hat (ohne das er es weiß), von dem hab ich jetzt seit mehr als 14 Tagen nichts mehr gehört. Weil ich das so will. Weil es mich nach und nach kaputt machen würde, würde ich ihm noch mehr meiner Zeit opfern. Oder Platz in meinen Gedanken einräumen.
Aber ich werde ihn dennoch nicht los. Er ist allgegenwärtig. Er ist das erste an das ich denke, wenn ich aufwache, meist das letzte, an das ich denke, bevor ich einschlafe und oft genug besucht er mich in meinen Träumen.
Als ich diesen Menschen vor knapp 2 Jahren kennen gelernt habe, da war ich dem Gedanken nahe, endlich das Ende meiner einsamen Odyssee angekommen zu sein. Endlich hatte ich jemanden, der mich mal ernst nimmt. Für den ich vielleicht mehr bin, als nur ein Clown, inmitten der Manege. Selbst meine Freunde, nehmen mich oft genug nicht ernst. Nicht weil sie es böse meinen, sondern weil es ein Ausdruck ihrer Hilflosigkeit ist, wie mir scheint. Ich bin unheimlich schwierig, das weiß ich selbst. Ich bin auf eine Art und Weise anders, mit der man nur schwer umgehen kann.
Als ich am Wochenende daheim war, dort wo ich herkomme, hab ich mich mit meinem besten Freund getroffen. Nur kurz. Aber wir haben uns seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesehen. Und da hab ich gemerkt, dass ich alt geworden bin. Sehr alt. Ich sehne mir die Tage herbei, als wir noch 16 waren und unsere Heimatstadt unsicher gemacht haben. Wir trafen uns auf ein Bier, seine Freundin war auch dabei.
Seine Freundin. Ein furchtbar nettes Mädchen. Ich kenne sie kaum. Aber ich muss Menschen auch nicht lange kennen, um zu wissen, was ich von ihnen zu halten habe (und was vielen Menschen Angst macht, wenn sie erkennen, dass ich sie erkenne). Und ich erkenne, dass diese Frau mit das Beste ist, was ihm passieren konnte. Ich muss nicht mehr auf ihn aufpassen. Nicht mehr für ihn da sein. Er hat jetzt jemanden der sich um ihn kümmert. Und er hat jemanden, um den er sich kümmern kann. Was er gern macht. Mit Liebe. Mit Hingabe. Etwas, das mir wohl auf diese Art vorenthalten bleibt.
Und dann ist da noch meine beste Freundin. Sie wird dieses Jahr noch heiraten. Ihren Freund, den ich für einen klasse Kerl halte. Jedes Mal, wenn ich die beiden zusammen erlebe, weiß ich, dass es richtig ist, dass die beiden zusammen sind. Dass ich mir nichts weiter für sie wünsche als dass sie mit ihm zusammen alt wird.
Diese beiden Menschen, mein bester Freund und meine beste Freundin, das waren lange Zeit, die einzigen Menschen in meinem Leben, denen ich eine Bedeutung beigemessen habe. Trotzdem: sie konnten mich nie von dem Gefühl befreien, nur auf Besuch zu sein. Ich kann mit ihnen eigentlich über alles reden und ich weiß, dass ich mich zu hundert Prozent auf sie verlassen kann. Ohne zu zögern würde ich mein dummes kleines Leben für sie hergeben. Ich mach nicht viel richtig in meinem Leben. Außer ein guter Freund zu sein. Darin bin ich vermutlich richtig gut.
Aber die beiden brauchen mich schon lange nicht mehr. Sie lassen mich an ihrem Leben teilhaben. Binden mich ein und sind für mich da, wenn ich sie brauche. Ohne zu zögern oder nach Ausreden zu suchen, warum sie jetzt nicht können. Sie können immer. Sie wollen immer. Aber das hilft mir nicht. Kein bisschen.
Der jüngste Freund den ich habe, den kenn ich jetzt seit rund 1,5 Jahren. Auch hier fast das gleiche. Dieser Mensch ist mit seinem Leben beschäftigt und versucht trotzdem für mich da zu sein. Aber da ist so viel Stress in seinem Leben, der mir ein schlechtes Gewissen machen würde, wenn ich ihn von Dingen abhalte, bei denen er mir eh nicht helfen kann. Ich will auch nicht den Eindruck hinterlassen, mich nur im Selbstmitleid zu baden um den Bauch gepinselt zu bekommen. Denn Mitleid ist das letzte was ich will.
Außerdem hab ich auf die meisten meiner Fragen oder Gedanken ohnehin schon ernüchternde Antworten.
Alle drei eint, dass ich für sie nicht der Mittelpunkt dessen bin, was ihr Leben ausmacht. Was okay ist. So ist das eben mit Freunden. Meist agieren sie nur am Rand, aber sie sind da und lassen sich bereitwillig in alles mit reinziehen, wenn man sie braucht. Dennoch fühl ich mich auch von ihnen nicht ernst genommen. Genau wie vom Rest der Welt.
Da war dieser Mensch, den ich vor 2 Jahren kennen gelernt habe, der wie die Antwort wirkte. Als ich ihm das erste Mal tief in die Augen geschaut habe, da erkannte ich mich darin. Der gleiche tiefe Schmerz. Bei hm war das anders. Von ihm hab ich mich stellenweise ernst genommen gefühlt.
Ich wache am Morgen mit Schmerzen auf und gehe am Abend damit ins Bett. Nicht nur seelischer Natur. Auch körperlich. Mein Körper fühlt sich schwer und verbraucht an. Ich schleppe mich jeden Tag durchs Leben und frag mich immer: „Wozu?“ Und finde keine Antwort. Weil es keine gibt. So ist das Leben wohl. Eine einzige Frage, nach dem Sinn. Ohne Antwort.
Wenn ich dann für andere da sein kann, dann weiß ich jedoch wieder, warum ich hier bin. Um das zu machen, was ich am besten kann. Ein guter Freund sein. Doch nach und nach, entwachsen dir deine Freunde und sind immer seltener auf deine Hilfe angewiesen. Du bleibst dann zurück und stellst fest, dass mit jedem mal, als du Hilfe geleistet hast, sie ein Stück mehr von dir gelöst hast, um ihnen dann am Ende dabei zuzusehen, wie sie ihr Leben jetzt ohne dich regeln. Was gut ist! Für sie. Für mich bleibt dann nur die Rolle des stillen Beobachters, um im Bedarfsfall wieder eingreifen zu können. Doch das ist eben immer seltener der Fall.
Allein war ich im Grunde schon immer. In meiner Familie war ich immer der Sonderling. Wenn auch ein geliebter Sonderling. Das weiß ich. Meine Freunde bezeichnen mich als Spinner oder Freak. Und lieben mich trotzdem. Auch das weiß ich.
Aber wirklich verstanden werde ich von keinem. Hab ich den Eindruck. Ich bin ihnen trotzdem dankbar. Für alles.
Aber es verwundert auch kaum, dass sie mich nicht vollends ernst nehmen. Der Rest der Welt ist einfach zu normal. Daher erwartet man vermutlich nicht, dass jemand wirklich so ist, wie ich behaupte zu sein. Meine Eigenheiten, die zu Tage treten, werden wohl oft als eine Art von Attitüde verstanden, die dazu dient, bei den Leuten besser anzukommen (dabei ist das das Letzte was ich will - mich bei anderen gut stellen). Aber wenn ich dann sage, dass ich den und das nicht mag, diesen Menschen für einen Idioten halte und diesen Menschen für einen schlechten Menschen (obwohl alle anderen ihn so toll finden), dann meine ich das auch so. Doch viele Menschen, sagen das gleiche wie ich. Aber sie meinen es dann nicht so. Das macht es mir nur noch schwerer, mich verstanden zu fühlen. Für die meisten erweckt es oft den Eindruck, ich bin einfach dagegen, weil alle anderen dafür sind. Ich muss immer dagegen sein. Weil das so im Trend liegt. Dabei bin ich einfach aus tiefster Seele dagegen bzw. von meiner Ansicht überzeugt. Weil ich es eben besser weißt. Ich hab zwar selten einen großen Plan im Hinterkopf, aber immer eine tieferen Sinn hinter meiner Einstellung oder meinem Gebaren.
Was ich mache oder sage, ist durchdacht. Auch wenn es mal eine Handlung im Affekt zu sein scheint. Ich handele nicht unüberlegt oder sage etwas, dass ich nicht zu 100% so meine. Und da ist oft eine Weltanschauung dabei, mit der niemand etwas anfangen kann.
Und daher mein Gefühl nur auf Besuch zu sein.
Ich kann mit dieser Welt nichts anfangen. Nicht im Geringsten. Sie überrascht mich nicht, hält keine Wunder für mich bereit und ist alles in allem ziemlich unterwältigend. Wozu dann also noch einen Fuß vor den anderen setzen?
Eben. Weil alles andere ja auch keine Lösung ist. Jedenfalls keine die zufrieden stellt. Leben heißt Leiden.
Dieser Mensch, den ich vor 2 Jahren aber kennen gelernt habe, der hat mir dieses Leiden erträglicher gemacht. Der war dabei mich zu retten. Vor mir selbst. Vor meinem heimlichen Begleiter. Dieser heimliche Begleiter ist es nämlich, der mir jeden Tag so anstrengend macht. Er ist der einzige, der mich so nimmt, wie ich bin. Komplett. Vielleicht der einzige, der mich wirklich liebt für alles was ich denke, für alles was ich tue. Aber dieser Begleiter, der würde mich, würde ich ihn zulassen, davon abhalten, für meine Freunde, ein guter Freund zu sein. Dieser Begleiter verlangt im Grunde jeden Tag aufs Neue von mir, dass ich rebelliere. Gegen alles und jeden. Zwar mit Sinn und Verstand, doch vollkommen destruktiv.
Er kann mit dieser Welt genauso wenig anfangen, wie ich. Und deshalb will er sie in Brand setzen und zerschlagen. In der Hoffnung, dass aus diesen Trümmern dann irgendwas besseres entsteht. Etwas kaputt machen, damit es größer wird.
Doch das will ich eigentlich nicht. Ich will einfach nur meinen Frieden machen können mit dieser Welt. Diesen Schmerz hinter mir lassen, nach vorne blicken und sich nicht mit Fragen beschäftigen müssen, auf die es keine Antwort gibt. Jedenfalls keine Antworten, die nicht zu neuen Fragen führen…
Ohne meine Freunde, hätte ich schon längst auf diesen Begleiter gehört. Aber meine Freunde können nicht immer für mich da sein und mich auch nicht retten.
Ich will nur gerettet werden. Vor ihm, meinem Begleiter. Der allgegenwärtig ist und den zu ignorieren, sehr viel Kraft kostet. Ich will wieder diese Antwort vor mir haben, wie vor zwei Jahren. Es diesmal besser machen. Ich will ernst genommen werden.
Ich will einfach nur glücklich sein, mit dem Wissen, dass ich für jemanden der wichtigste Mensch auf Erden bin.
Klingt furchtbar egoistisch, nicht wahr?
Aber 25 Jahre des Alleinseins (mit ein paar Unterbrechungen aufgrund von ihr) sind doch wohl ein guter Grund, mal ein bisschen Egoismus an den Tag zu legen, oder?
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