Dieser Eintrag wird unter Umständen arrogant daher kommen. Damit muss ich aber leben. Damit kann ich auch sehr gut leben. Denn mir geht da eine Sache ziemlich auf den Sack.
Wenn man sich vor Augen hält, wie viele Leute ständig irgendwas sagen, ohne groß darüber nachzudenken, was sie da eigentlich sagen, dann macht das Menschen wie mir das Leben schwer, die sich gründlich überlegen was man sagt und wie man was empfindet.
Wenn ich einem Menschen sage, dass ich ihn als einen Freund schätze, dann hat das unheimlich viel zu bedeuten. Freunde habe ich nämlich nur 3 an der Zahl. Der Rest sind (gute) Bekanntschaften, Idioten und ein Sonderfall.
Wie böse und irritiert Leute gucken können, sagt man ihnen, dass sie nicht dein Freund sind.
Weiß eigentlich überhaupt noch jemand, vor lauter studiVZ-Freunden und Facebookbuddies was echte Freundschaft bedeutet? Was man dabei für Verantwortungen eingeht. Was man sich für Verpflichtungen auferlegt. Was man für eine Bindung eingeht?
Ich glaube nicht.
Genauso wird, wie mir scheint, diesese "ich hab dich lieb" einem schon fast inflationär um die Ohren gehauen.
Jemanden lieb haben. Jemanden lieben. An sich zwei unterschiedliche Sachen, aber der Einfachheit halber (und weil beides gern hohl gebraucht wird), packen wir das jetzt mal zusammen.
Die meisten wissen doch gar nicht mal, was man da überhaupt lieb hat, weil sie den gegenüber kaum kennen. Sie lieben ein Idealbild, ja. Aber sie übersehen dabei gerne, dass der andere auch noch Ecken und Kanten hat. Die gehen dann gern bei und sagen sich, dass sie nur dies (seinen tollen Humor) und das (seinen Sanftmut) aber nicht dieses (seine Unpünktlichkeit) oder jenes (seine Wehleidigkeit) am anderen lieb haben.
Will man jemanden lieb haben, dann muss man auch seine schlechten Eigenschaften lieb haben. Denn sonst gerät man immer unweigerlich in die Versuchung den anderen ändern zu wollen (die Person die man ja angeblich lieb hat) oder man ignoriert teile der Persönlichkeit des anderen, was dazu führt, dass ich mich nie voll und ganz auf den anderen einlassen kann.
Will man jemanden als Freund gewinnen, dann muss man sich vor Augen halten, dass auch die schlechten Seiten eines Menschen dazu gehören. Dass sie ihn zu dem Menschen machen, den man eben lieb hat - oder zumindest behauptet lieb zu haben.
Ich weiß auch nicht... mir kommts manchmal so vor, als würden andere mit einem "ich hab dich lieb" einfach nur die Hoffnung zum Ausdruck bringen wollen, dass man es ihnen genauso oft sagt.
So nach dem Motto "Wie ich dir, so du mir!"
Ist ja auch irgenwie gut fürs Ego, wenn man so ein "ich hab dich lieb" zu hören bekommt. Wenn man denn ignorieren kann, dass da eigentlich kaum was dahinter steckt.
Leute?
Ihr nervt.
Und zwar gewaltig.
In meinem Alltag bin ich eigentlich keiner der verbal auf Kuschelkurs geht. Eben weil ich Höflichkeit meist für unnötig erachte und ein Mensch bin, der brutale Offenheit und Ehrlichkeit gern lebt. Freunde sollten sowas aushalten... und Bekanntschaften die daran zerbrechen... ja, mein Gott. Kommt vor. Kann ich mit leben.
Heute Mittag hab ich jemanden gesagt, dass ich ihn lieb habe. Einfach so. Weils mir ein Anliegen war. Eigentlich könnt ich ihm das in letzter Zeit ständig sagen, wenn man sich mal spricht. Ich mach das, weil ich dem anderen damit zeigen will, was er mir bedeutet.
Manchmal krieg ich ein "ich hab dich auch lieb" zurück, aber meistens kommt nix und damit kann ich sehr gut Leben. Denn ich liebe auch, ohne, dass man mich zurück liebt.
Ohne Scheiß.
Hört auf eure Eitelkeit zu befriedigen, indem ihr versucht andere einzulullen mit euren holen Phrasen von Freundschaft und "lieb haben", "lieben", wenn dann am Ende, wenns mal drauf ankäm, aber nix bei rum kommt und man merkt, dass ihr euch nur die Rosinen bei einem rausgepickt habt.
Setzt euch mit dem Menschen, den ihr da lieb haben wollt und der angeblich euer Freund ist, wirklich auseinander. Dann könnt ihr auch mit Überzeugung behaupten, dass ihr den lieb habt. Dass er euer Freund ist.
Unterstreicht mit Taten das Gesagte. Nichts beweist mehr, was wir sind und wie wir denken, als das was wir tun.
Und warum ihr mich jetzt aufregt?
Weil ich jemand bin, der sich eben dies macht: Gedanken um die Person, die er vorgibt lieb zu haben. Der Freundschaften noch als das begreift was sie sind: selten, kostbar, unersetzlich. Der gern öfter mal weniger von all diesem Hollywoodstoff um sich rum hätte. Liebe. Dieses Wort scheint so alltäglich geworden zu sein, wird in jedem Film auf die Leinwand gebannt, in jeder Daily-Soap bis zum Erbrechen vergewaltigt, in (fast) jedem Buch wortschwer über hunderte Seiten ausgedehnt und im Alltag so leichtfertig gebraucht, dass man es gar nicht mehr versteht, befürchte ich.
Alles stumpfe Konsumenten, von den Medien verblödet, einfach wiederkäuend, was man im Nachmittagsprogramm vorfindet, weils ja alle so machen.
So Leute wie ich, die damit kostbar umgehen, es nur wenigen Menschen schenken, denen macht ihr damit das Leben schwer.
Denn uns glaubt man nur schwer, wenn wir es dann mal in den Mund nehmen. Da wird dann auch geglaubt, dass es genauso leichtfertig daher kommt, wie bei all den anderen Spacken vorher.
Denn vor uns, haben das schon Hundert andere getan, die es nicht verstanden haben. Und die es einfach nur gebraucht haben, um sich selbst besser zu fühlen.
Doch darum geht es eigentlich nicht beim Lieben...
...darum geht es beim geliebt werden...
...aber das begreift ihr vielleicht irgendwann auch nochmal.
07:15 Uhr und ich bin geflasht! Endlich mal jemand, der das auspricht, was ich mir so oft denke. Jeder will mehr Facebook Freunde haben, als der andere. Es ist wie ein Wettkampf geworden. Je mehr Freunde man dort hat, desto "cooler" ist man.
AntwortenLöschenIch bin auch ein Mensch, der lieber weniger Freunde hat, aber dafür enge und vertraute.
Was ich eigentlich nur schreiben wollte (am frühen Morgen bin ich nicht so redewandt und meine Rechtschreibung lässt zu Wünschen übrig): Du hast Recht mit allem, was du hier geschrieben hast.
"Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt." (Otto von Bismarck)