Dass dieser profillose Vorzeigepolitiker (durchaus mit negativer Konnotation zu lesen) jetzt unser Land vertritt und hin und wieder den Armleuchtern in Berlin den Marsch blasen soll, während er den Bürgern die Politik näher bringen soll ist aber nur Nebensache in diesem Blogeintrag.
Ich bin bei der Zeit auf einen Artikel über Günter Netzer gestoßen. Von seinen Qualitäten als Experte mag man jetzt mal halten was man will. Dennoch hat dieser Mann genug im Fußball erlebt um zu wissen über was er da redet. Ich kann ihm auch nicht immer zuhören, wenn er sich mit Delling die verbalen Bälle zuschiebt, doch hin und wieder ist jeder mal für Sätze gut, die man besser nicht hätte zum Ausdruck bringen können.
Fußball ist ein Spiel was von seiner Unvorhersehbarkeit lebt. Jeder kann jeden schlagen und vor dem Anpfiff ist in der Theorie immer alles möglich. In den nächsten 90 Minuten können Helden geboren oder Versager hervorgebracht werden.
Am letzten
Während des Spiels kam es zu einer eklatanten Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns, weil man ein mehr oder minder klares Tor der Engländer nicht gegeben hat. In der Halbzeitpause plädierte daraufhin Delling, dass man sich im Zeitalter, wie dem unsrigen, doch ruhig mal der modernen Technik bedienen könne um solche Fehlentscheidungen zu vermeiden. Netzer sprach sich entschieden dagegen aus.
Die Zeit schrieb folgendes dazu:
Fußball, so Netzer, ist Drama, Blindheit, Fehlentscheidung, Rachlust und Tragödie. Das Spielfeld, so könnte man Netzers Credo vielleicht zusammenfassen, darf kein helles, von Kameras und Sonden beherrschtes Areal sein, es muss vielmehr ein finsterer Wald voller Wegelagerer, eine Tragödienbühne voller Falltüren sein, durchschlichen von einem tückischen Herrscher: dem Schiedsrichter! Wenn Fußball anders wäre, nämlich gerecht und nicht so restlos von Willkür geprägt, dann wäre es ein toter Sport. Es gäbe dann nichts mehr zu bereden. [...]
Fußball ist erst in zweiter Linie ein Spiel, vor allem aber ist es eine große Erzählung.
Und genau das ist es. Und genau deshalb mag ich diesen Sport so. Er lässt Raum für große Geschichten, kleine Dramen und unglaubliche Tragödien. Wer nicht leidensfähig ist, der sollte diesem Sport fern bleiben. Denn wie sagte schon einst Bill Shankly (auch im Artikel erwähnt, aber immer wieder einfach passend):
"Einige Leute halten Fußball für einen Kampf auf Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es weit ernster ist."
Wenn ich an meine Jugend zurück denke und all die Tage auf dem Bolzplatz in Erinnerung rufe, dann komme ich zu demselben Ergebnis.
Egal, ob dieser Sport in irgend einem Hinterhof gespielt wird oder in einem hochmodernen Stadion vor 90.000 Zuschauern: am Ende steht immer die Geschichte.
Und am Samstag will ich wieder mindestens 90 Minuten erleben, die ich nicht so schnell vergessen werde!
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